Die neuen Bezeichnungen der ORF-Sender machen ganz gut klar, welchen Typ Seher man so als Zielgruppe im Auge hat. Da ist ORFeins mit seiner ausgeschriebenen Zahl für alle, die sich mit Zahlen schwer tun und vielleicht den Zeigefinger beim Lesen brauchen. Dann ist da ORF2 für den konservativen Fernsehtyp. Und da ist ab Oktober ORF III für alle, die sogar wissen, was römische Ziffern sind (die also nicht glauben, der Papst heißt Benedikt Ix Vau Ih).

Der Kulturmensch atmet auf. Bisher galt: Ein Mensch, der nicht viel Schlaf braucht - so dürfte sich der durchschnittliche Senderprogrammierer eine kulturinteressierte Person vorstellen. Denn vor Mitternacht braucht man nur in Einzelfällen ein Kulturprogramm im TV erhoffen.

Ob ORF III das ändert, ist fraglich. Immerhin gibt es einen ganzen Tag, der der Kultur gewidmet ist. Und tägliche 15-minütige Kulturnachrichten. Allerdings sind fast alle Formate von TW1 übernommen und/oder mit Barbara "Ich kann doch du sagen" Rett. Das einzig neue Format, "Was schätzen Sie?", erinnert frappant an die BBC-Show "Cash in the attic", wo Dachbodenschätze auf ihre Schatzhaftigkeit geprüft werden.

Während hierzulande die Hoffnung lebt, sieht man wiederum in Deutschland den Untergang des Abendlandes dräuen: Da ist das neue Sendeschema von Arte als "zu populär" in die Kritik geraten. Nur dass dieses Sendeschema erst im November präsentiert wird.