Sie kann mit einer Pressekonferenz Minister stürzen; wenn sie zum Protest aufruft, folgen ihr Hunderttausende und wenn sie will, kann sie mit Demonstranten ganze Stadtteile lahmlegen. Camila Vallejo Dowling ist das Gesicht der chilenischen Proteste gegen Präsident Sebastián Piñera.

Seit Wochen protestieren Studenten, Schüler und Gewerkschaften für mehr soziale Umverteilung zugunsten des Gesundheits- und Bildungswesens. Besonderes Anliegen: freier Zugang zu den unter Diktator Augusto Pinochet privatisierten Universitäten, sprich: ein kostenloses Studium.

Vallejo ist eine in der Wolle gefärbte Kommunistin. Schon ihre Eltern waren in den 1970er Jahren aktive Mitglieder der kommunistischen Partei. Als sie begann, an der Universität von Chile Geografie zu studieren, schloss sie sich sogleich linken Studentengruppen an. 2007 trat sie der kommunistischen Jugend bei. Mit ihrem politischer Einsatz wurde sie 2010 zur Vorsitzenden der chilenischen Hochschülerschaft gewählt.

Camila Vallejo. - © EPA
Camila Vallejo. - © EPA

Als solche setzt sich die 23-Jährige, der zum Studienabschluss nur noch die Doktorarbeit fehlt, für eine Reform des chilenischen Bildungswesens ein. In seiner derzeitigen Form ist es für sie "ein ungerechtes, perverses System, das letztlich Betrug ist". 60.000 Dollar muss ein Student durchschnittlich für seine Ausbildung aufbringen. Es könne nicht angehen, dass sich Eltern, die nicht mit Reichtum gesegnet sind, auf Jahrzehnte verschulden müssten, wenn sie ihren Kindern ein Studium finanzieren wollen, empört sich Vallejo. Um ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen, organisierte sie cacerolazos - Proteste, bei denen die Demonstranten auf Kochtöpfe einschlagend durch die Straßen ziehen. Zuerst folgten ihr 80.000, dann 100.000, schließlich 150.000 Menschen. Teile der Hauptstadt Santiago wurden lahmgelegt.

Kolleginnen attestieren Vallejo eine erotische Ausstrahlung, nach der sich die Jugendlichen verzehren - von Schulen besetzenden Gymnasiasten, über Studenten bis hin zu Gewerkschaftern. Sogar aus dem Ausland erhält sie Komplimente. "Wir sind alle in sie verliebt", sagte Boliviens Vizepräsident Álvaro García Linera. Sie selbst sagt dazu: "Ich konnte mir mein äußeres Erscheinungsbild nicht aussuchen, die Gründe meines politischen Protests schon."

Die Kombination von beidem ist für andere ein rotes Tuch. Senator Juan Pablo Camiruaga nannte sie wörtlich eine "scheiß Schlampe", die aufhören solle, im Land Unruhe zu stiften. Eine Angestellte des Kulturministeriums wiederum schlug für den Wunsch des Senators eine radikale Lösung vor. Im Internet zog sie eine Parallele zum Sprichwort "Töte die Hündin, dann beruhigt sich die Meute". Seit jemand Vallejos Adresse und Telefonnummer veröffentlichte, erhält sie Polizeischutz.

Ans Aufgeben denkt Vallejo trotz zahlreicher Morddrohungen nicht, zumal die Proteste begonnen haben, Erfolge zu zeigen. Bildungsminister Joaquín Lavin musste bereits seinen Hut nehmen. Da wundert es nicht, dass Analysten der "schönen Cami" eine steile politische Karriere voraussagen.