"Die Nachricht zum Tag ist also: Doris Day lebt noch", sagte Armin Wolf heiter am Montag in den Spätnachrichten. Ja bravo. Die Frau ist 87 und hat sich seit 30 Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Da liegt natürlich nahe, dass sie inzwischen verblichen ist. Was denn bitteschön auch sonst? Ein recht billiger Schmäh, den sich Armin Wolf auf Kosten von Dagmar Koller wahrscheinlich nicht erlaubt hätte. Nur weil die nicht vor 30 Jahren beschlossen hat, dem Showbusiness den Rücken zu kehren. Da könnte man jetzt auch einen billigen Schmäh machen.

Jedenfalls will es Doris Day jetzt mit eben 87 Jahren noch einmal wissen. Und veröffentlicht ein neues Album. Seltsamerweise können Kulturjournalisten nur schwer damit umgehen. Im ORF-Beitrag fand sich denn auch noch ein "zielgruppengerecht posiert sie auf dem CD-Cover mit Hündchen Duffy". Der Terrier als Pensionistinnen-Accessoire. Mehr Klischee geht schon kaum. Außer vielleicht, man empfiehlt die CD als Soundtrack zur Cremeschnitte in der Aida.

Nicht alle 87-Jährigen werden aber gleich behandelt: Charles Aznavour zum Beispiel würde man sicher keinen Terrier zumuten. Er hat auch gerade ein neues Album veröffentlicht. Und bekam den französischen "Preis der ewigen Jugend". Kein Wunder, dass der Mann sagt, er möchte gern 120 Jahre alt werden. Wenn es dann soweit ist, sagt wohl auch kein Nachrichtenmoderator: "Wie, der lebt noch?"