Große Worte kommen Österreichs Politikern des Öfteren über die Lippen. Gerne auch jenen aus der zweiten und dritten Reihe. Gelassen werden die Sätze allerdings nur in den seltensten Fällen ausgesprochen, vielmehr überwiegt bei solchen Anlässen meist ein pathetisches Timbre. Das will so gar nicht zu den darauf folgenden mickrigen Taten passen.

Fast schon einen Klassiker dieses Genres lieferte Josef Martinz im heurigen August. Damals erklärte der Kärntner ÖVP-Obmann und Landesrat die Koalition mit den Kärntner Freiheitlichen aufgrund des erstinstanzlichen, noch nicht rechtskräftigen Urteils gegen FPK-Chef Uwe Scheuch für auf Eis liegend. Wer dies als zwischenzeitliche Aufkündigung des Kooperationsabkommens mit der FPK interpretierte, lag allerdings gehörig daneben. Die Koalition funktioniert bis heute munter weiter - so weit eine Koalition in Kärnten, diesem ureigensten politischen Biotop, eben funktionieren kann.

Während die seinerzeitige Ankündigung Martinz’ durchaus, wenngleich leider vorübergehend, zu einer gesteigerten Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit geführt hat, wurde eine mindestens ebenso epochale Entscheidung der Stadt Wien von den Medien mit weitestgehender Missachtung gestraft. Völlig zu Unrecht übrigens, denn dass sich die Stadt am 10. Oktober 2011 per einstimmigen Beschluss (!) im zuständigen Gemeinderatsausschuss zu einem Mitglied von Transparency International erklärte, kann nicht anders denn als eine Kampfansage der vehementeren Art gegen den hierzulande grassierenden Korruptionssumpf verstanden werden. Wenn jetzt auch noch Kärnten, Burgenland, Tirol und Niederösterreich sowie der Bund dieser ehrwürdigen Institution beitreten, kann es mit der Säuberung des Landes von dubiosen Elementen nun aber wirklich nicht mehr lange dauern.

Apropos das schöne Bundesland Tirol. Gemeinhin attestieren Medien und der gemeine Volksmund unseren p.t. Politikern eine geringe Lernfähigkeit mit unterentwickelter Aussicht auf bessere Einsicht. Zu Unrecht, wie hier nicht ohne Stolz vermerkt werden kann!

Noch am 15. November erklärte Landeshauptmann Günther Platter, er könne in der preistechnisch ebenso günstigen wie in Sachen Wohnkomfort attraktiven Mietvereinbarung seines Finanzlandesrats Christian Switak keine schiefe Optik erkennen.

Auf den Tag genau 14 Tage später - über einen inzwischen möglicherweise absolvierten Besuch beim Optiker seines Vertrauens ist auch gut informierten Kreisen zufolge nichts überliefert -zitiert die Austria Presse Agentur den Landeshauptmann mit den Worten, er sehe in der Causa Switak eine "nicht gute Optik".

Nun ist natürlich eine "nicht gute Optik" noch längst keine schiefe Optik, wie dies der nicht-schwarze Rest des Landes Tirol nicht müde wird zu behaupten. Von der sprachlichen Eleganz einmal abgesehen kann trotzdem kein Zweifel bestehen, dass sich in diesen zwei Wochen in Tirol ein mittleres Wunder zugetragen haben muss: Der Berg hat sich bewegt.