Wer die Einladung liest, fühlt sich in die 1950er Jahre zurückversetzt: "Wir laden Sie, liebe Margaretnerin, herzlich zum 13. Frauentag im Amtshaus Margareten ein" heißt es auf einem Flyer, der jüngst per Postwurf an Haushalte im fünften Wiener Gemeindebezirk ging. Klingt interessant und durchaus einen halben Abend wert besonders da veranstaltet von der Verwaltung eines aufstrebenden Bezirks, die sich stets durch kleine, feine Verbesserungen hervortut. Doch das Studium der Programmpunkte zeigt, dass die Themen, die dort am 8. März "Im Zeichen der Frau" stehen, dies auch schon zu Großmutters Zeiten taten, und auch sie hatten als "Trümmerfrauen" schon damals auch andere Anliegen.

So stehen Aus-, Fort-, und Weiterbildung auf dem Plan bestens geeignet für die meist Teilzeit-beschäftige Frau ebenso wie die Punkte Gesundheitsvorsorge und "Tipps aus der Apotheke", denn Männer gehen bekanntlich nur ungern zum Arzt. Schminkberatung genießen wir Frauen ebenso traditionellerweise wie Fitness und Wellness. Auch die Punkte "Pflegebedürftige Angehörige" und "Kindererziehung kein Kinderspiel" bestätigen sämtliche Vorurteile weiblichen Lebens. Einzig ein Kochkurs fehlt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nicht das geringste gegen "traditionelle" Frauenthemen, lasse mich gerne schminken, kaufe gern Kleider, kümmere mich regelmäßig um meine 93-jährige Tante und sehr gerne um Kinder. Aber ich versuche auch, ein paar wissenschaftliche Themen wenigstens im Ansatz zu erfassen und rätsle, wie ich meine massive Gasrechnung zahlen soll. Die Bezirksvertretung tut das anscheinend nicht.

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