Frauen und Latinos bereiten Ed Gillespie Kopfzerbrechen. Der ehemalige Chef der US-Republikaner sieht im Wahlkampf die Felle seiner Partei davonschwimmen. Um 18 Prozentpunkte führt der demokratische Präsident Barack Obama in den Umfragen gegenüber seinem wahrscheinlichen republikanischen Herausforderer Mitt Romney bei der weiblichen Wählerschaft. Noch drastischer ist die Situation bei den Latinos: 44 Prozent wählten 2004 den Republikaner George W. Bush, 2008 waren es noch 31 Prozent, die Obamas damaligen Gegner, John McCain, unterstützten. Romney hingegen bekäme derzeit gerade einmal die Stimmen von 14 Prozent.

Das will Gillespie nun ändern. "Wir müssen wirklich daran arbeiten, die Stimmen der Amerikaner hispanischer Herkunft zu erhalten", sagt der Mann, dessen Credo es ist, dass eine gut konzipierte Strategie die zentrale Voraussetzung für das Erreichen jeglichen Ziels ist. Dass er mit dieser Einstellung erfolgreich ist, hat der Mann, der schon George W. Bush auf dem Weg ins Präsidentenamt unterstützte, bereits mehrmals unter Beweis gestellt.

Gillespie ist der fleischgewordene amerikanische Traum. Er arbeitete als Parkplatzwächter für den Senat, während er an der Katholischen Universität Amerikas in Washington Jus studierte. Nach dem Abschluss des Studiums wurde er 1985 Telefon-Jurist in der republikanischen Parteizentrale. Neun Jahre später war er bereits als Mastermind maßgeblich an der Ausarbeitung des "Contract of America" beteiligt, des Programms, das den Republikanern 1995 zum ersten Mal seit 40 Jahren eine Mehrheit im Repräsentantenhaus bescherte. 2000 wurde er Sprecher von George W. Bush, dem er schließlich als Berater ins Weiße Haus folgte.

Nun sähe er gerne wieder einen Republikaner auf dem Präsidentensessel. Und so ist er mit einem anderen Polit-Architekten Bushs, Karl Rove, in mehrere Organisationen involviert, die das nötige Kleingeld für einen Sieg Romneys auftreiben sollen. Da Strategie für Gillespie alles ist, haben die beiden bereits einen Plan, Obama frühzeitig anzugreifen. Die Idee: Der Präsident soll ausgerechnet auf dem Gebiet der Außenpolitik angegriffen werden, die eigentlich zu seinen Stärken zählt. Obama soll als Naivling präsentiert werden, der die USA um ihre Führungsrolle bringt. Gleichzeitig soll angeprangert werden, dass er die Politik seines ungeliebten Vorgängers Bush weiterbetreibt und unter anderem den umstrittenen "Patriot Act" zur Bekämpfung des Terrorismus verlängert hat. Startpunkt für diese Kampagne muss spätestens der frühe Sommer sein, weil der Herbst der Wirtschaft gewidmet sein wird. Gut für Gillespie, dass er gerade rechtzeitig diese Woche von Romney als Berater in sein Team geholt wurde.