Die Liste des kategorisch Inakzeptablen ist kurz, aber prägnant: Merkmale eines "ordinär geführten Lokals", also Geschäftsführung und Lohnabhängige, werden abgelehnt. Da dies jedoch nicht einmal die linke Studentenvertretung (ÖH) an der Universität Wien auf Dauer gewährleisten kann, besetzen seit Montag noch linkere Autonome das Studentenbeisel "Café Rosa".

Das von einer Koalition aus Grünen und Alternativen StudentInnen, Verband Sozialistischer Student_innen und dem Kommunistischen StudentInnenverband entwickelte und im Mai 2011 eröffnete Café-Projekt entwickelte sich zum - mit 450.000 Euro an öffentlichen Mitteln üppigst geförderten - Desaster, weshalb seit März nach einem externen Betreiber gesucht wird.

"Kommt alle und macht mit! Es wird bereits gekocht und das Büro in Kürze eröffnet. Es gibt viel zu besprechen": So warben die Besetzer via Twitter Account und Homepage des "Café Rosa" unmittelbar nach der vorübergehenden Inbesitznahme um Unterstützer.

Offensichtlich hat aber sogar die Geduld linker Studentenvertreter ihre Grenzen. Jedenfalls war am Dienstag die gekaperte Homepage nicht mehr erreichbar - eigenhändig ziemlich autoritär abgedreht von der ÖH der Uni Wien. An einer gütlichen Einigung wurde bei Redaktionsschluss noch gearbeitet.

Ist das jetzt nur noch skurril, nämlich eine vernachlässigbare Episode von den äußersten Rändern unserer Gesellschaft, oder doch ein Mosaikstein, der sich schlüssig mit den aktuellen Nachrichten über den Zustand von Demokratie, Finanzkapitalismus und Arbeitsmarkt zu einem größeren Ganzen fügt?

Wohl eher Ersteres.

Natürlich wären eigentlich die Universitäten prädestinierte Orte, um über Alternativen zum sozialen, politischen und wirtschaftlichen Mainstream nachzudenken. Dass die Hochschulen diese Rolle nicht nur, aber ganz besonders auch in Österreich verloren haben, ist nur teilweise die Schuld der akademischen Gemeinde. Die bolognialisierte Massenuniversität von heute erinnert nur noch von fern an die gesellschaftspolitischen Labors der 1960er und 1970er Jahre, von der Eliten-Institution davor ganz zu schweigen.

Daraus lässt sich jedoch keine zwingende Rechtfertigung ableiten, dass studentischer Protest in Österreich regelmäßig zur Karikatur gesellschaftspolitischer Kritik, gemessen an der Höhe der Zeit, verkommt.

Seit kurzem sind Hausbesetzungen in Wien sogar zu Museumswürden gekommen; das könnte für alle Betroffenen ein dezenter Hinweis sein, dass Aktionismus dieser Art womöglich nicht der innovativste Ausweis revolutionären Denkens im 21. Jahrhundert ist. Immerhin setzen sich rund um den Globus neue Protestformen - von Occupy über Blockupy - durch; nur in Wien sind, aus welchen Gründen auch immer, die vorgeblich Progressiven protesttechnisch schwer reaktionär.

Und: Auch die Propaganda der Tat verfehlt ihre Wirkung, wenn ihr jeglicher Zusammenhang zum wirklichen Leben - und seinen ökonomischen Grundlagen - abhanden kommt.