Michel Platini hat laut nachgedacht und ist dafür gleich ausgelacht worden. Der Uefa-Präsident hatte angeregt, die EM 2020 in zwölf Ländern zu veranstalten. Einige Kommentaren sahen in dieser Ankündigung erste Anzeichen von Blatteritis, schließlich ist der Fifa-Präsident bekannt dafür, gelegentlich abstruse Ideen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Doch der Plan Platinis ist gar nicht so verkehrt. Die EM ist schon jetzt ein Uefa-Turnier, das überall gleich aussieht. Es ist daher egal, wo die Spiele stattfinden, der (TV-)Zuschauer wird keinen Unterschied feststellen.

Dass es für Fans teurer ist, quer durch Europa zu den Partien zu reisen, ist zwar richtig, doch in der Champions League ist das auch der Fall. Real hat etwa in der vergangenen Saison in Zagreb, Amsterdam, Lyon, Moskau, Nikosia und München gespielt. Aufgeregt hat das niemanden. Wenn man es logistisch schlau anstellt, könnte man die Reisestrapazen auch bei einer Europa-EM halbwegs in Grenzen halten.

Platinis Argument, dass nicht mehr nur ein oder zwei Ausrichter die Investitionslast tragen müssten, sondern sich die Kosten aufteilen, ist nachvollziehbar. Durch die Aufstockung der EM auf 24 Teilnehmer ist das Turnier ja noch teurer und für kleinere Länder eine Ausrichtung damit unmöglich geworden. Wohin hätte etwa Österreich ein fünftes und sechstes Stadion stellen sollen? Wenn aber nur ein großes Stadion notwendig ist, kann auch Slowenien von einem EM-Spiel träumen.