Verläuft alles wie geplant, erhält die Fifa am heutigen Dienstag einen neuen Ethikkodex sowie zwei Kammern einer neuen Ethikkommission. Die eine Kammer soll ermitteln, die andere urteilen, wobei beide Gremien unabhängig von der Fifa ihren Dienst versehen sollen.

Auch wenn es angesichts der Skandale schwerfällt, an eine Erneuerung der Fifa von innen zu glauben, ist von diesen Beschlüssen weit mehr zu erwarten, als von einem (theoretischen) Rücktritt von Sepp Blatter. Und nicht nur, weil die derzeitige Struktur des Verbandes so unzeitgemäß und geradezu korruptionsfördernd ist, dass jede Änderung zwingend eine Verbesserung darstellt.

Ein Rücktritt von Blatter würde in erster Konsequenz zu einem Vakuum führen, dessen Folgen schwer abschätzbar sind. Denn gegenwärtig scheint niemand in Sicht, der einen in dieser heiklen Phase starken Präsidenten abgeben könnte. Blatters einst mächtige Mitstreiter hat inzwischen das Fallbeil getroffen, sie mussten wegen diverser Vergehen zurücktreten.

Deutschlands Fifa-Funktionär Theo Zwanziger mimt zwar durchaus glaubwürdig den Erneuerer, doch als recht frisches Fifa-Mitglied muss er zuerst noch an Profil und Einfluss gewinnen. Uefa-Boss Michel Platini ziert sich nicht nur aus Loyalität zu Blatter, dem Franzosen steht die Quasi-Heim-EM in Frankreich 2016 ins Haus. Eine Rückkehr des einstigen Vize-Präsidenten und Blatter-Gegners Chung Mong-Joon ist auch unrealistisch. Der südkoreanische Milliardär wurde erst im Vorjahr als Präsident des Asienverbandes übel abserviert.

Für die Zukunft der Fifa könnte es das Beste sein, wenn ihr jetzt ein mächtiger, aber eben auch geschmeidiger Opportunist vorsteht, der nichts anders will, als sein Fell zu retten. Sepp Blatter scheint derzeit zu allem bereit, sogar zu einer Reform.