Laurence Nelson Golborne Riveros ist beim Volk beliebt, und das ist keine Selbstverständlichkeit. Der chilenische Minister erhält bei Umfragen Beliebtheitswerte um die 80 Prozent. Die Regierung hat hingegen mit fatalen Zahlen zu kämpfen. Präsident Sebastián Piñera hat vor kurzem mit 26 Prozent das absolute Rekordtief erreicht. Während also Piñera, der bei den Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr nicht erneut antreten darf, abgeschrieben ist, avanciert Golborne zum Hoffnungsträger seines konservativ-liberalen Wahlbündnisses "Coalición por el cambio". Angesichts seiner Beliebtheitswerte werden ihm dafür gute Chancen eingeräumt.

Den Grundstein für seine Popularität legte der 51-Jährige nur wenige Monate, nachdem ihn Piñera im März 2010 als Bergbauminister in sein Kabinett geholt hatte. Da ereignete sich das Grubenunglück von Copiapó, das nicht nur Chile, sondern die ganze Welt in Atem hielt und mit der Rettung der Bergleute glücklich endete. Golborne hatte zu diesem Zeitpunkt zwar relativ wenig Ahnung vom Bergbau, erwies sich aber als exzellenter Krisenmanager. Während der gesamten Zeit der Rettungsaktion, die vom 5. August bis zum 13. Oktober dauerte, verweilte Golborne fast ausschließlich im neben der Mine errichteten Rettungscamp. Der Mann, der als sechstes Kind in eine bescheidene Mittelklassefamilie geboren wurde, tröstete die Angehörigen der Bergleute und verkündete Neuigkeiten über den Fortschritt der Bergung. Mit seiner natürlichen Art spielte er sich in die Herzen der Chilenen, von denen bei seinem Amtsantritt gerade einmal 16 Prozent wussten, wer er war.

Seine Unbekanntheit war nicht weiter verwunderlich, denn bis zur Ernennung zum Bergbauminister hatte er kein politisches Amt inne und ist auch seither politisch unabhängig. Golborne kommt eigentlich aus der Privatwirtschaft und hat bereits als Abteilungsleiter für die Ölfirma Esso sowie als Geschäftsführer der südamerikanischen Investment-Holding Cencosud gearbeitet.

Die politische Unabhängigkeit des Wirtschaftsingenieurs und Betriebswirts mit Abschlüssen der Universidad Católica de Chile sowie der Stanford University ist mit seinem familiären Umfeld zu erklären. Seine Schwester war eine Kommunistin, die nach dem Putsch gerade noch rechtzeitig ihre Bücher verbrennen konnte; sein Bruder war ein Rechtsextremer mit Kontakten zu paramilitärischen Gruppen. Sollte der Vater von sechs Kindern tatsächlich zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden, könnte er auf eine harte Gegnerin treffen: die ehemalige Präsidentin Michelle Bachelet. Doch wenn es einer schaffen kann, sie zu schlagen, dann ist es Golborne, ist sich so mancher Experte sicher.