Sportminister Norbert Darabos wird am Sonntag im Rahmen der ORF-Sendung "Sport am Sonntag" erstmals seit seiner öffentlichen Kritik an Sportlern und Funktionären im Rahmen der Olympischen Spiele über Sportpolitik diskutieren. Der ORF hat zum Runden Tisch geladen, an dem auch Sportler wie Dinko Jukic sowie Funktionäre aus dem ÖOC und der Bundessportorganisation (BSO) teilnehmen werden.

Sollten sich dort die Beteiligten gegenseitig verbal ins Gesicht springen, darf man davon ausgehen, dass es weder Reform noch Reförmchen geben wird, dass die Politik dem Sport auch in Zukunft so wurscht wie bisher sein wird, und dass die Themen Schulsport aus der öffentlichen Debatte verschwinden werden.

Die medaillenlose Spiele sowie das vergleichsweise kleine Team, das Österreich nach London entsandte, sind Indizien dafür, dass sportpolitisch in Österreich viel verkehrt läuft. Der Sport - Funktionäre, Sportler, Trainer - weisen seit Jahren auf Probleme und Fehlentwicklungen hin. Nun gibt es die fast historische Chance auf Veränderung. Aber nicht, wenn innerhalb des heimischen Sports gestritten wird.

Das laute Aufheulen von Darabos während der Spiele war ein taktischer Fehler. Vielmehr hätte er in London Mitstreiter für seine schon vor Jahren initiierte Reform gewinnen können - gerade unter den Sportlern, die mit den Trainingsbedingungen hier unzufrieden sind. Stattdessen hat er sie gegen sich aufgebracht. Er hätte ihre Unterstützung gebraucht, um besser gewappnet in die zwei bevorstehenden Kämpfe zu gehen: erstens mit den Dach- und Fachverbänden um die Neuverteilung der Förderungen, zweitens mit Gesundheits- und Unterrichtungsministerium um Reformen im Schulsport. Derzeit steht Darabos aber eher alleine da.