Die Bezeichnung Tausendsassa wirkt bei Gulnora Karimowa fast schon wie eine Untertreibung: Die ältere Tochter des usbekischen Präsidenten entwirft Schmuck und Mode, die schon auf der Fashion Week in New York präsentiert wurde; sie betreibt karitative Organisationen, die sich für Jugendbildung einsetzen und Frauen mit Brustkrebs helfen, und sie tritt sogar als Sängerin unter dem Namen "Googoosha" auf; sie nennt eine Vielzahl von Diskotheken und Nachtklubs sowie die Zeitschrift "Bella" ihr eigen. Doch das ist nur der Glamour-Part ihres Lebens. Denn nebenbei ist die 40-Jährige noch Vize-Außenministerin von Usbekistan, Botschafterin ihres Landes in Spanien sowie bei den Vereinten Nationen in Genf und verfügt als Geschäftsfrau über ein geschätztes Vermögen von einer Milliarde Euro.

Wie sich leicht vermuten lässt, gibt es auch eine Schattenseite ihres leuchtenden Lebens.Durch Wikileaks wurde bekannt, dass sie amerikanische Diplomaten als "die meist gehasste Person in Usbekistan" einschätzen. Sie habe sich mit Einschüchterungen in so gut wie jeden Wirtschaftssektor ihres Landes gedrängt und gilt als "Räuberbaronin".

Karimowas Ex-Mann, mit dem sie einen Sohn und eine Tochter hat, hatte die erste Firma zur Abfüllung von Coca-Cola-Produkten in Taschkent. Nach der Scheidung wurde sein Vermögen beschlagnahmt - Geld, Firma sowie Kinder Karimowa von der usbekischen Justiz zugesprochen. In der Schweiz wurde diesen Sommer eine strafrechtliche Untersuchung gegen zwei Mitarbeiter von Coca Cola Usbekistan eingeleitet. Ihnen wird Geldwäsche vorgeworfen. Sie sollen starke Verbindungen zu Karimowa haben.

121 Millionen Dollar erhielt sie 2005 für ihre Anteile am usbekischen Mobilfunkunternehmen. Es soll ein überhöhter Preis gewesen sein, den das russische Unternehmen MTS dafür zahlte, während gleichzeitig die Verhandlungen über russische Gasexporte liefen.

Den negativen Berichten zum Trotz befindet sich Karimowa auf einem Feldzug, die Herzen der Usbeken zu erobern. Immerhin soll ihr Vater planen, sie als seine Nachfolgerin aufzubauen. Vor Kurzem brachte sie eine neue Pop-CD auf den Markt, die dem Vernehmen nach bei der Jugend Anklang findet und Usbekinnen davon träumen lässt, so zu sein wie Karimowa. Andere wiederum empfinden ihre Musik wie die Folterschreie inhaftierter Usbeken. "Bitte keine Beleidigung", kommentiert ein Hörer auf Youtube, "Ihr Vater wird Sie sonst bei lebendigem Leib kochen." 2004 berichtete der britische Botschafter in Taschkent von Menschen, die tatsächlich dieses Schicksal ereilte. Vorwürfe, von denen sich Karimowa zweifelsohne distanzieren wird wollen.