Man kann nicht nicht politisch sein. Zumindest nicht in diesem schönen Österreich. Paul Watzlawiks hat sein kommunikationstheoretisches Diktum im Original zwar etwas anders formuliert, aber die Idee zu seinem berühmten Axiom muss dem gebürtigen Kärntner (1921 bis 2007) zweifellos in seiner Heimat gekommen sein: Egal, was man zwischen Neusiedler- und Bodensee als Bürger auch betreibt, fast unweigerlich ist damit auch ein politisches Statement verbunden, wenn auch meist ein stillschweigendes.

Wie dem auch sei, Tatsache ist, dass SPÖ und ÖVP, der verzwickten und verworrenen Geschichte des Landes geschuldet, bis heute einen beachtlichen Rucksack an verfreundeten Organisationen mit sich herumtragen. So zählen zur roten Reichshälfte neben den offiziellen Parteimitgliedern im weiteren Sinne auch 1,2 Millionen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich kurz Askö genannt; auf 400.000 eingetragene Mitglieder kommt der Arbö und auf weitere 175.000 die Naturfreunde. Bei der ÖVP liest sich die Liste der parteiaffinen Vorfeldorganisationen um nichts weniger eindrucksvoll: Mit 1,8 Millionen ist hier der ÖAMTC unangefochtener Mitgliederkrösus gefolgt von der Sportunion mit 865.000 und dem Alpenverein mit 415.000 eingetragenen Mitgliedern.

Selbst wenn man bedenkt, dass Doppelt- und Dreifachmitgliedschaften wohl eher die Regel als die Ausnahme sind, lässt sich mit diesen Verbänden trefflich politisch werken.

Vor diesem Hintergrund macht es einigermaßen stutzig, wenn SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter dieser Tage eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen der Partei und ihren Verbänden ankündigt. Der Sportverband Askö und eventuell auch die Naturfreunde könnten ihren Status als offizielle Vorfeldorganisationen verlieren.

Parteisekretäre tendieren eigentlich nicht dazu, ohne Not der eigenen Partei ein Stück Fleisch herauszuschneiden. Warum also dieser Vorstoß? Beim Askö gibt es immerhin einen Anlass, bedienten sich doch in der Salzburger Zweigstelle einige Funktionäre allzu offensichtlich aus der Vereinskassa. Da ist es verständlich, wenn eine Partei die Liebe zur Distanz neu entdeckt.

Von außen - wohl auch von innen - lässt sich nur schwer abschätzen, wer von der Verflechtung mehr profitiert: Parteien oder Verbände?

Die einen, besonders wenn mit Regierungsämtern ausgestattet, können mit Gesetzen und Fördergeldern dienen, die Verbände mit Adressdateien und Auftrittsmöglichkeiten für Politiker auf Anschlusssuche. Womöglich sind die Vorteile, die sich beide Seiten aus ihrer engen Verzahnung erhoffen, gar nicht mehr so groß, wie alle vermuten. Weil das Wahlverhalten der allermeisten Bürger längst keiner einfachen Gleichung mehr entspricht, wo eine Gefälligkeit mit einer Stimmzettelabgabe honoriert wird.

Genau wissen werden Parteien wie Verbände dies aber erst, wenn sie in Frieden geschieden sind - personell, finanziell und organisatorisch. Bis dahin schauen SPÖ und ÖVP auf ihre mitgliederstarken Vorfeldorganisationen, und träumen von den guten alten Zeiten.