Es ist schon eine Art perverse Lust, dass die Österreicher so gerne gegen die Deutschen Fußball spielen. Denn Österreich gewinnt fast nie und verliert bisweilen sehr hoch. Das jüngste Duell endete mit ein bisserl Glück 2:6, und es hätte auch schlimmer kommen können. Dass wir uns dennoch auf die Begegnungen mit Deutschland ganz besonders freuen, hat fast schon etwas Pathologisches. Verlieren wir denn gerne? Gegen kaum einen anderen Gegner sind die Chancen dafür so groß. In mehr als einem Jahrhundert Fußball hat Österreich bei 37 Partien nur achtmal gewonnen, zweimal davon nach 1945, und beide Male waren es Partien, die Österreich zum Zwecke der Ehre bestritten hat: jenes in Córdoba (3:2) und ein Testspiel in Wien zur Wiedereröffnung des Praterstadions 1986 (4:1). Dass es sich bei Córdoba nicht um das WM-Finale gehandelt hat, vergisst man bisweilen, Österreich war bereits ausgeschieden. Dennoch werden Siege über Deutschland hierzulande als Jahrhundertspiele des Weltfußballs verstanden. Sie sind es nicht. Die Bilanz von Gruppengegner Schweden gegen Deutschland ist fast ausgeglichen: 12 Siege, 15 Niederlagen. Jene von Irland: 5 Siege, 7 Niederlagen.

Diesmal aber ist die große Vorfreude auch mit rationalen Argumenten nachzuvollziehen. Die meisten Spieler haben sich im Ausland durchgesetzt, sie haben mittlerweile Erfahrung, und nun haben sie auch einen Trainer, der ihnen taugliche taktische Werkzeuge mitgibt, um ihr vorhandenes Potenzial in Zählbares zu verwandeln. Das heißt nicht, dass Österreichs Chancen auf einen Sieg gegen die Deutschen bedeutend gestiegen sind. Dafür braucht es sehr, sehr viel Glück, genauso wie vor drei, fünf oder zehn Jahren, das hat sich nicht geändert. Eines aber schon: Mit diesen Spielern, mit diesem Trainer ist Österreich wettbewerbsfähig. Das allein gibt Anlass zur Vorfreude.