Aseem Trivedi. - © EPA
Aseem Trivedi. - © EPA

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, heißt es. Doch mit den indischen Behörden ist nicht zu scherzen. Mehrere hundert Milliarden Dollar hat Indien durch die Korruption seiner Staatsdiener verloren, berichtete vor kurzem der staatliche Rechnungsprüfer CAG; ein Anlass für Aseem Trivedi sich hinzusetzen und das zu machen, was er am besten kann: Karikaturen zeichnen. Eine zeigt das indische Wappen in leicht abgewandelter Form: Anstelle von vier Löwen stehen vier Wölfe über dem Wahlspruch "Allein die Korruption siegt", der eigentlich "Allein die Wahrheit siegt" heißt.

Im Ärger über die Missstände in seinem Land zeichnete er das Parlament als Toilette, oder aber auch einen Terroristen, der auf die indische Verfassung uriniert.

Die Konsequenz: Trivedi wurde verhaftet und der Volksverhetzung beschuldigt.

Dass der 27-Jährige für seine Karikaturen eingesperrt wurde, hat in Indien erneut einen Disput über die Meinungsfreiheit losgetreten. Auch wenn sie in der größten Demokratie der Welt per Gesetz festgeschrieben ist, so prangern doch Schriftsteller, Journalisten und Künstler schon länger an, dass die indischen Behörden zunehmend gegen kritische Stimmen vorgehen. Dass in seinem Fall die Anklage auf Volksverhetzung lautet, ist für Trivedi geradezu symbolisch. Dieses Gesetz "haben die Regenten während der britischen Herrschaft angewandt, um die Stimme von Freiheitskämpfern zum Verstummen zu bringen. Es wurde gegen Mahatma Gandhi eingesetzt", sagt der Karikaturist.

Für Meinungsfreiheit setzt sich auch die von Trivedi gegründete Organisation "Save Your Voice" ein. Sie kämpft gegen staatliche Internetzensur, durch die unter anderem die Regierung kritische Seiten sperren lässt, wie die "Times of India" berichtet. Ebenso hat sich der Karikaturist den Kampf gegen Korruption auf seine Fahne geschrieben. Er ist in der Bewegung "India Against Corruption" aktiv, an deren Spitze Anna Hazare steht, Indiens bekanntester Kämpfer gegen Korruption und prominenter Hungerstreiker. Die Gruppe fordert die Schaffung eines Ombudsmanns, der korrupte Staatsdiener strafrechtlich verfolgen kann.

Am Mittwoch wurde Trivedi auf Kaution freigelassen und von einer wartenden Menschenmenge wie ein Held gefeiert. Doch damit ist er verständlicherweise nicht zufrieden. Er will, dass die Anklage wegen Volksverhetzung gegen ihn fallengelassen wird. Darüber entscheidet das Gericht am Montag. Doch egal wie das Urteil ausfällt, Trivedi wird sicherlich weiter Druck auf die Politik ausüben. "Wir werden diesen Kampf für Meinungsfreiheit fortführen", erklärte er nach seiner vorbehaltlichen Freilassung.