Fairness, Respekt, Gemeinschaft, Solidarität. All das sind Werte, die sich der Sport auf seine Fahnen heftet, und er tut dies durchaus erfolgreich, wie die öffentliche Entrüstung bei Schummeleien jeglicher Natur beweist. Wer etwa dopt, dem entzieht der Großteil der Fans seine Gunst, während kleine Tricksereien in anderen Bereichen bisweilen sogar als clever verstanden werden. Niemanden regt es auf, wenn erfolgreiche Workaholics medikamentös nachhelfen, um noch mehr arbeiten zu können. Warum auch.

Große Sportverbände haben den Wert dieser Werte erkannt und sehen sie als wichtiges Asset ihrer Vermarktungsstrategie. Die Uefa beispielsweise hat das "Financial Fairplay" ausgerufen und mahnt in einer Kampagne "Respect!" ein. Die eigene Darstellung als moralische Instanz dient dem Sport auch, seine gesellschaftliche Relevanz zu unterstreichen. Es waren unter anderem diese Werte, mit denen die Uefa bei der EU-Kommission um den Sanktus zu ihren Finanzregeln warb.

Es ist daher nicht nur ein verbandsinternes Problem, wenn der Schwimmverband in aller Öffentlichkeit ganz andere Werte lebt: Missgunst, Neid, Hass, Rachegelüste. Fast untergegangen ist, dass auch im Judoverband revoltiert wurde und dem langjährigen Präsidenten Hans Paul Kucera die Wiederwahl verwehrt wurde. Schon bei den Olympischen Spielen hatten sich in mehreren Verbänden Konflikte aufgetan, zuletzt trat das auch beim Modernen Fünfkampf zutage.

Gerade jetzt, wenn das Sportsystem reformiert werden muss, die Verbände in der Schulsportdebatte öffentlich Gehör finden wollen und dringend benötigte Investitionen in Infrastruktur getätigt werden müssten, braucht der Sport eine größere gesellschaftliche Bedeutung und Wertschätzung. Vermutlich ist den Verbänden gar nicht bewusst, welch großen Schaden sie derzeit anrichten.