Viel war in letzter Zeit die Rede von nackten Männern. Das ist man nun wirklich nicht gewöhnt, dass Gemächte so viel Aufmerksamkeit erhalten. Zeit also, sich wieder der Normalität zu widmen. Also weiblichen Brüsten.

Da haben nun in Berlin ein paar Piratinnen (ja, die gibt’s noch) einen bemerkenswerten Coup geschafft. Unter dem Brandenburger Tor campieren derzeit Flüchtlinge im Hungerstreik. Und zwar taten sie das bis vor kurzem ziemlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dann aber hatten die Piratinnen eine Idee. Sie kündigten an, sich für die gute Sache freizumachen. Obenrum. So quasi ein Titflashmob.

Die deutschen Medienvertreter glaubten diese frivole Ankündigung treuherzig und standen mit Fotoapparaten und Filmkameras bewaffnet bereit - als natürlich nichts dergleichen passierte. Nach einem stilisierten Striptease kamen lediglich T-Shirts mit dem Aufdruck "Menschenrechte statt Titten" zum Vorschein. Und als Slogan hatten sich die Aktivistinnen den etwas holprigen Satz "Sex sells, human rights are not for sale" ausgedacht.

Die Episode zeigte nicht nur, dass blanke Busen offenbar mehr Recht auf Präsenz in den Medien haben als Flüchtlinge. Was nicht mal so schlimm ist, nackte Busen als Protestmittel kennt man ja von den ukrainischen Aktivistinnen von Femen. Sie zeigte aber auch, wie bereitwillig alle anderen Medien dem Boulevardgeschmack folgten: War es doch ein "Bild"-Redakteur, der als Erster auf den Strip-Vorschlag der Piratinnen einging. Man wird irgendwie das Gefühl nicht los, dass so etwas nicht nur in Deutschland passieren kann.