Man gibt es ja nur ungern zu, aber manchmal haben auch die absurdesten Schnapsideen bei näherer Betrachtung ihren Charme. Nun treibt Michel Platini eine solche voran: Die Spiele der EM 2020 sollen über ganz Europa verstreut werden. So muss keiner mehr das - in Zeiten der Finanzkrise und Vergrößerung der Teilnehmerzahl nicht mehr tragbare - Risiko eingehen, Investitionen zu tätigen, für die erstens kein Geld da ist und es zweitens keinen Mehrwert in puncto Nachhaltigkeit gibt. So können die Spiele auch dort stattfinden, wo tatsächlich die Fans sind, und halbleere Stadien wegen einer geringeren Attraktivität der jeweiligen Mannschaften werden eher die Ausnahme bleiben. Es wäre so etwas wie eine Champions League für Nationalmannschaften. Man kann’s ja mal probieren.

Tamara Arthofer

Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Doch bei allem Enthusiasmus wäre es verwunderlich, würde das Modell nach der Jubiläumsveranstaltung 2020 beibehalten. Schließlich läuft es dem bisher von der Uefa konsequent verfolgten Trend der Eventisierung zuwider. Eine EM in einem oder zwei Ländern wird ganz anders inszeniert, sie ist Prestigesache für die jeweiligen Ausrichter und spricht mit all ihrem Tamtam auch jene an, denen Fußball davor eher fremd war. All das würde wegen der fehlenden Einzigartigkeit wegfallen. Und statt eingängiger Slogans wie "Die Welt zu Gast bei Freunden", mit dem etwa Deutschland 2006 für die WM warb, hieße es dann: Europa zu Gast in Europa. Und gar so attraktiv klingt das dann auch wieder nicht.