"Fans und Kollegen sind sich einig, wer dieses Jahr der Beste war." Wer Fernando Alonso in den Tagen nach dem knappen Verlust des Weltmeistertitels an Sebastian Vettel genau zugehört hat, kam nicht umhin, zwischen den Zeilen folgende klare Botschaft herauszulesen: Nicht der Deutsche und Red Bull, sondern Alonso und Ferrari seien die eigentlichen Weltmeister. Wenn schon nicht faktisch, dann doch zumindest moralisch.

Es ist halt auch eine Frage der Ehre - gerade in einem Männersport wie der Formel 1. Verlieren ist nie lustig, vor allem nicht mit drei Punkten Rückstand. Dass Ferrari nun - per angeblichem Videobeweis - Vettel bei der FIA anschwärzt und behauptet, er habe sich durch ein unerlaubtes Überholmanöver den sechsten Platz erschlichen, ist von diesem Blickwinkel aus betrachtet sogar verständlich. Versuchen kann man es ja, auch wenn die Aussichten auf einen Erfolg, also die nachträgliche Aberkennung des Titels und die Ausrufung von Alonso zum neuen Champion, verschwindend gering sind.

Was Ferrari da macht, hat einen anderen Hintergrund: Alonsos Anspruch auf den moralischen Weltmeistertitel soll gefestigt und dagegen Vettel Ehre und seine Integrität als der Fairness verpflichteter Sportler desavouiert werden. Ob und wie auch immer die FIA entscheidet, etwas wird an den Vorwürfen schon hängen bleiben, tröstet man sich jetzt bei Ferrari. Nett ist das nicht, aber dafür effektiv. Im Fußball geschieht das täglich. Denn nichts stinkt mehr in den Himmel als ein erschummelter Sieg.