Albert Spiegel schoss seinen prüfenden Blick durch die 4a. "Naaaa, wo sind denn die Vifzackeln?", fragte der Mathematiklehrer am Gymnasium in der Mödlinger Keimgasse und kratzte sich an der Glatze, bevor er treffsicher diejenigen aufrief, die von den Spiegelgleichungen nur Bahnhof verstanden.

Erbauliche Nachrichten haben Wissenschafter nun endlich für all jene, die in der Schule in Mathe am Fünfer schrammen: Sie sind nicht etwa zu dumm, um die Volumina von Pyramiden berechnen oder Integralrechnungen begreifen zu können, sondern nur zu unmotiviert.

Die Psychologen der Universität München und der Uni Bielefeld haben die Mathematikleistungen von 3500 Schülern von Hauptschulen, Gymnasien und Realschulen fünf Jahre lang untersucht. "Ein verblüffendes Ergebnis ist, dass der entscheidende Faktor für Leistungszuwachs nicht ist, wie schlau jemand ist, sondern wie motiviert er ist und wie er lernt", berichten Kou Murayama und seine Kollegen. Dazu kamen Intelligenztests, die einzig und allein bei jungen Schülern einen Zusammenhang mit Mathematikleistungen nachwiesen. Für Leistungszuwachs ist die Intelligenz hingegen nicht entscheidend.

Besonders stark haben sich die Schüler verbessert, wenn sie sich für Mathematik begeistern konnten. Jene, die hingegen zum Mathe-Büffeln gezwungen wurden, lehnten es ab und blieben schlecht. Was Schüler seit je her wissen, stimmt also eins zu eins: Der Lehrer ist schuld. Zumindest dann, wenn er den Schülern das Tor zu den wundersamen Rätseln der Mathematik nicht zu öffnen vermag.