Es kommt nicht so oft vor, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) einknickt. Im Fall der russischen Regierung, die nach dem Beschluss eines umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetzes allen Teilnehmern bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 "von höchster Regierungsstelle" freies Geleit zugesichert hat, ist es nun doch geschehen. Was als Gnadenakt für unverbesserliche Westler daherkommt, ist in Wirklichkeit eine zynische Beleidigung - der Athletinnen und Athleten sowie auch des olympischen Geistes.

Und was tut das IOC? Anstelle einer geharnischten Verurteilung ließen die Olympia-Organisatoren der Welt schlicht ausrichten: "Sport ist ein Menschenrecht und sollte für alle ungeachtet von Rasse, Geschlecht und sexueller Orientierung verfügbar sein. Was wir als Sportorganisation tun können, ist weiter zu arbeiten, um sicherzustellen, dass die Spiele ohne Diskriminierung von Athleten, Funktionären, Zuschauern und Medien stattfinden." Na, bumm. Dieses Statement ist nicht gerade das, was man mutig bezeichnen würde. Das hätte selbst Papst Franziskus besser hingekriegt.

Der Skandal liegt aber woanders, sah sich doch am Dienstag keine einzige Nation - mit Ausnahme einzelner NGOs - in der Lage, ein kritisches Wort zu formulieren. Frei nach dem Motto: Wenn unsere Leute nicht betroffen sind, was betrifft uns das? Dass es hier nicht um irgendein Sportfest, sondern immer noch um die Olympischen Spiele geht, dürfte man geflissentlich übersehen haben. Das Verhalten der Russen stillschweigend hinzunehmen, wiegt da fast noch schwerer als das Gesetz, um das es geht.