Ein Sommer wie damals: Österreichs Sportler verpassen bei den Olympischen Spielen die Medaillen, der damalige Sportminister Norbert Darabos verunglimpft sie als "Olympia-Touristen", die Athleten - aus den unterschiedlichsten Sparten - laufen Sturm gegen ihre Verbände; und Dinko Jukic schwingt sich zum Robin Hood der Unterdrückten und Unter-Unterstützten auf. Jukic ist sicher kein einfacher Zeitgenosse, aber der aktuell Erfolgreichste in einer Sommerweltsportart, sein Wort hat Gewicht. Seine Tiraden gegen den Schwimmverband im Speziellen und das Funktionärswesen an und für sich scheinen die Speerspitze einer Protestbewegung zu sein, die Sesselkleben, Postenschacher und unprofessionelle Strukturen schonungslos (und bisweilen im Ton überzogen) anprangert. Etwas mehr als ein Jahr ist das nun her. Und was hat sich geändert? Abgesehen von ein paar Köpfen nicht viel, selbst Jukic ist mittlerweile ruhig. Natürlich ist es erfreulich, dass der Kleinkrieg beendet ist und Österreichs bester Schwimmer sich fortan auf das konzentrieren kann (und will), was er am besten kann. Die bestmögliche Zusammenarbeit mit dem Verband, die am Mittwoch beiderseits versichert wurde, ist dazu unerlässlich. Und Jukic sagt es ja auch: "Es geht um den Sport, um mein Training und meine Leistungen." Dass es aber auch um die Generation nach Jukic geht, wie in London noch angedeutet, sagt er nicht, auch von den anderen Rebellen hört man nichts mehr. Die Protestbewegung ist versandet - und damit zu befürchten, dass es noch mehr Sommer wie damals geben wird.

Tamara Arthofer

Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.