Das Leben besteht aus Kategorisierungen, insbesondere die Welt der Wissenschaft. Auch Sinneseindrücke werden eingeteilt, zum Beispiel Sichtbares in Farben, Hörbares in Frequenzen. Für Schmeckbares gibt es zumindest fünf Schubladen: bitter, süß, sauer, salzig und umami. Ob noch eine sechste Lade - fettig - dazugehört, ist umstritten.

Schwer tut man sich noch beim Kategorisieren von Gerüchen. Ein Forscherteam um James Castro vom Bates College in Lewiston (USA) ging die Sache jüngst statistisch an und meint nun, dass man vermutlich mit einer kleinen Zahl von Basisgerüchen die gesamte Duftpalette abdecken kann. Momentan hält man bei zehn Grundkategorien: wohlriechend, holzig-harzig, fruchtig, chemisch, minzig, süß, Popcorn, Zitrone, beißend und faulig.

Jeder, nicht nur die Parfumindustrie, weiß, dass gerade Gerüche besondere Erinnerungen wachrufen und Emotionen auslösen können. Doch während man Bilder, Töne und Texte längst blitzschnell von einem Ende der Welt zum anderen senden kann, sind wir vom Geruchsfernsehen oder Duft-Internet offenbar noch weit entfernt.

Trotzdem mag manchen bei den Wahlkampf-Duellen im Fernsehen angesichts des einen oder anderen Kandidaten einer der oben genannten Basisgerüche in die Nase gestiegen sein. Aus meiner Sicht waren das am ehesten holzig-harzig, beißend und faulig, mitunter auch chemisch. So wohlriechend, fruchtig, süß und minzig sich die Politiker auch geben wollten, es reichte oft nur für eine der beiden absoluten Grundkategorien: Es duftete oder es stank einem.