Thomas Morgenstern hatte riesiges Glück im Unglück - das weiß er selber, das wissen alle, die seinen Horrorsturz vom Freitag gesehen haben. Dem körperlichen Wunder will der Kärntner nun ein sportliches folgen lassen - das mag für viele unverantwortlich klingen, ist es aber für einen Spitzensportler gewiss nicht. Wer das Stehaufmännchen, dem sportliche und private Tiefschläge ins Karriereloch rissen, kennt, der weiß, dass er alles daransetzen wird, um doch noch in den Flieger nach Sotschi steigen zu dürfen. Und wenn er das Gefühl hat, voll fit zu sein, wird er sich auch nicht bremsen lassen - wenngleich die Nominierungsfrist schon in weniger als 14 Tagen endet. Die große Unbekannte in diesem Wettlauf mit der Zeit ist freilich der Kopf, sprich das Gehirn, das sich eben nicht so trainieren lässt wie lädierte Knie oder gebrochene Finger. Während Marlies Schild bei ihrem Blitz-Comeback bei der Ski-WM in Schladming kalkuliertes Risiko nehmen konnte (nach Innenbandriss im Knie), kam ihr Ex-Teamkollege Hans Grugger nie wieder auf die Rennpisten zurück: Bei seinem Sturz in der Kitzbühler Mausefalle hatte er sich 2011 unter anderem ein Schädelhirn-Trauma zugezogen - noch heute plagen ihn Gefühlsstörungen im Bein und Konzentrationsstörungen, die ein Rennfahren unmöglich gemacht hätten.

Was Morgenstern auch antreiben wird, sind solche Heldensagen von Wundercomebacks - schlag nach bei Hermann Maier anno 1998. "Jetzt bin ich unsterblich", sprach der einst nach Horrorsturz und späterem Olympiasieg. Man sollte es mit der Unsterblichkeit aber auch nie übertreiben.