Ich sag’s gleich zu Beginn: Alle sind in der Sache irgendwie im Unrecht. Da ist also der Wiener Akademikerball. Dem Namen nach harmlos, aber die Besucherliste hat’s in sich. Die angesprochenen Akademiker sind nämlich nicht die normalen Altphilologen, Theologen, Germanisten, Anglisten, Mediziner, Physiker usw. Gemeint sind als Zielpublikum die Angehörigen schlagender Akademikerverbände. Und wenngleich ich persönlich für diese nichts übrig habe, wäre selbst das nicht so schlimm, zögen solche Veranstaltungen nicht immer wieder im demokratischen Österreich unwillkommene Rechtsextremisten an. Also wird’s Demonstrationen geben - nicht nur von Linken, sondern auf gemeinsamer antinationalsozialistischer Basis, wodurch sich die FP-Akademiker provoziert fühlen.

Dass im Gegenzug der Rapper Lev Bro das Sturmgewehr AK 47 gegen den FP-Chef H.C. Strache zum Einsatz bringen will, ist indessen auch dann jenseits von okay, wenn es "nur" als Songtext geschieht. Schließlich singt man ja auch "Bomben auf Engelland" aus gutem Grund nicht mehr. Es gibt eine Grenze, hinter der die Kunst ihre Unschuld verliert.

Die Reaktion erfolgte prompt mit einem "Gegenlied": Die "Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Akademikerverbände" polemisiert gegen die geplanten Demos und beschwört in einer Aussendung die Horrorvision: "Die Straße frei den linken Bataillonen." Im "Horst-Wessel-Lied" der SA hieß die Zeile "Die Straße frei den braunen Bataillonen." Was immerhin zeigt, welchen Liedguts die FP-Akademiker sind.

Verbale Abrüstung allen Beteiligten dringend empfohlen!