Während der wochenlangen Koalitionsverhandlungen ist Sebastian Kurz fast völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden. Es gab keine Interviews, kaum Termine, keine Forderungen seinerseits, nicht einmal in seiner Funktion als Chef der JVP. Er musste aber auch nichts öffentlich wollen, schließlich wusste er, dass er Minister werden würde. Die rasch ventilierte Schaffung eines Zukunftsressorts war vielleicht eine bewusst gelegte falsche Fährte, um Kurz eine wochenlange öffentliche Kann-der-das?-Diskussion zu ersparen. Die Frage kam zwar auf, als sich die Regierung formierte, doch die Aufregung um das dünne Regierungspapier war größer als jene über den Außenminister unter 30. Im Gegensatz zum Sturm der Häme, dem Kurz zwei Jahre davor ausgesetzt war, als er Staatssekretär wurde, konnte diesmal eingewendet werden, dass er sich im Bereich Integration durchaus profiliert habe. Jetzt, ein Monat nach der Angelobung, gelang dem Außenminister nun sein erster Coup mit der Heimholung jener Frau, die nach einer Vergewaltigung in Dubai von einer Anklage bedroht wird. Zumindest der Boulevard stilisierte Kurz persönlich zum Retter, doch wenn sich dieser langfristig in seinem Amt profilieren will, wird dies nicht über das (gut funktionierende) Krisenmanagement im Außenamt passieren. Gerade er, als Zukunftshoffnung der ÖVP, muss außenpolitische Ideen formulieren, die keine Eh-klar-Positionen sind; muss sich trauen, klare, vielleicht streitbare Standpunkte zu vertreten - wenn er sie smart argumentiert. In wenigen Tagen beginnt Olympia in Sotschi, eine heikle Sache. Aber auch eine Chance, das Profil zu schärfen.