Alexander U. Mathé
Alexander U. Mathé

Tom Steyer hat viel Geld und hegt Sympathien für den Klimaschutz. Da ist es nur naheliegend, dass der amerikanische Milliardär ersteres verwendet, um letzteren zu fördern. Am effektivsten - dachte er sich wohl - ist es, wenn man direkt an den Hebeln der Macht ansetzt. 100 Millionen Dollar will der 57-Jährige über seine Lobbygruppe Nextgen Climate locker machen. Zugute kommen soll das Geld US-Kandidaten, die sich bei den nächsten Parlamentswahlen im November klar zum Klimaschutz bekennen. Das - soviel ist sicher - werden demokratische Kandidaten sein. Steyer bildet damit ein Gegengewicht zu den Koch-Brüdern. Die versorgen seit Jahren die den Republikanern nahestehende Protestbewegung Tea Party mit großzügigen Zahlungen, damit unter anderem der Klimawandel als Mythos dargestellt und Umweltschutzgesetzen entgegengewirkt wird. Auf dem Gebiet haben einander die Brüder Charles und David Koch auf der einen Seite und Steyer auf der anderen schon einmal ein Gefecht geliefert. Das war, als die Kalifornier 2010 zu einer Volksabstimmung aufgerufen wurden, über die Abschaffung eines Umweltschutzgesetzes abzustimmen, das unter anderem die Emissionsreduzierung von Treibhausgasen vorsieht. Die Kochs pulverten fleißig Geld in die Abschaffungskampagne, doch Steyer hielt dagegen und warf fünf Millionen Dollar - die größte Einzelspende - in die Schlacht. Das bescherte dem Beibehaltungslager einen klaren Sieg. Wie sich bei den kommenden Wahlen die 100 Millionen auswirken werden, bleibt abzuwarten. Wichtig für Steyer ist, dass sich demokratische Kandidaten nicht mehr davor fürchten, für Klimaschutz einzutreten, was ihnen bisher von republikanischer Seite stets den Vorwurf "Jobkiller" eingebracht hat. Spätestens ab Juni wird das Thema in den USA für heftige Debatten sorgen. Da will Präsident Barack Obama seine Klimagesetze präsentieren.

Tom Steyers Vermögen wird auf 1,4 Milliarden Dollar geschätzt. Damit ist er zwar weit entfernt von Bill Gates (77,4 Milliarden) und Warren Buffett (65 Milliarden), doch etwas verbindet ihn mit dem reichsten und dem drittreichsten Mann der Welt: Alle drei haben sich 2010 bereit erklärt, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Damit ist auch die leichte Diskrepanz zu der ihm nahestehenden Partei überwunden. Denn sein Vermögen hat Steyer als Hedgefonds-Manager gemacht, ein Beruf, der auf der Beliebtheitsskala der Demokraten nicht unbedingt ganz oben steht. Dass er völlig selbstlos agiere, wird Steyer trotzdem nur schwer vermitteln können. Ist er doch der maßgebliche Geldgeber von Greener Capital. Diese Firma investiert in neue und saubere Technologien und profitiert dementsprechend von klimafreundlicher sowie öl- und kohlefeindlicher Gesetzgebung. Profit, der letztlich auch Steyer zugute kommt.