Zu behaupten, der Beruf des Politikers hätte ein Imageproblem, könnte direkt aus dem Mund eines Politikers kommen. Zu schön verpackt ist eine angeblich mehr als traurige Realität.

Tatsächlich ist der Ruf dieser Branche noch sehr viel schlechter, als sich die meisten Betroffenen selbst eingestehen wollen. Zu viel Cash für viel zu wenig Leistung für viel zu viele Unfähige und Überforderte: So ungefähr lautet die Trias an Stereotypen, die immerzu zu hören ist, wenn die Rede auf das Thema kommt.

Doch das ist und bleibt ein Märchen: Das Gros der Politiker in Bund, Ländern und Gemeinden erhält erstaunlich wenig Geld für überdurchschnittlich viel Einsatz. Und das gilt für die Mitglieder der Bundesregierung genauso wie für die Abgeordneten zum Nationalrat und Landtag und auch - besser: vor allem - die zehntausenden Gemeinde- und Bezirksräte.

Zudem befördert die längst strukturelle Geringschätzung dieses Berufs das Vorurteil, dass praktisch jeder zum Politiker taugt. Hauptsache er/sie verfügt über ein telegenes, am besten gleich prominentes Gesicht und ausreichend Eloquenz. Das darüber hinaus notwendige Kleinwenig an politischer Sachkenntnis können sich die Damen und Herren Quereinsteiger dann ja schnell im Vorbeigehen noch aneignen.

Es ist schlimm genug, wenn eine Mehrheit der politikfernen Bürger von diesem Vorurteil überzeugt ist. Skurril wird es allerdings, wenn sogar die Führungsebenen in den Parteien daran glauben - und, noch schlimmer, danach handeln. Damit machen sie sich gleich eines doppelten Vergehens schuldig, indem sie nicht nur den eigenen Beruf, sondern gleich auch noch die Intelligenz der eigenen Wähler geringschätzen.

Um es deutlich festzustellen: Politik ist ein anspruchsvoller Beruf und eine noch viel forderndere Berufung. Dabei mag es wie überall das eine oder andere Naturtalent geben; im Regelfall jedoch muss man sich die Kompetenzen, über die ein "erfolgreicher" Politiker verfügen muss, nur durch langjährige Erfahrung und harte Arbeit aneignen. Und "Erfolg" steht deshalb unter Anführungszeichen, weil es keine objektiven Leistungskriterien in diesem Beruf gibt. Das Abschneiden bei Wahlen ist natürlich der unmittelbarste Leistungsnachweis für einen Politiker, aber zugleich auch derjenige mit dem engsten Horizont. So gesehen drängen sich tatsächlich Parallelen zum Bonus-Schema bei Bankern auf. Man kann nämlich ein bei Wahlen erfolgreicher Politiker sein - und trotzdem die "falsche" Politik betreiben (und "falsch" deshalb, weil es natürlich auch kein abstraktes, allgemeingültiges "Richtig" in der Sphäre des Politischen geben kann).

Dieses Fehlen objektiver Kriterien macht es so schwierig, gute Politiker von schlechten zu unterscheiden, zumal - wenn man ehrlich ist - auch die Medien keine große Hilfestellung bei der Beurteilung bieten. Die Liste der medial hochgejubelten Politiker, die sich im weiteren Verlauf ihrer Karriere aus den diversesten Gründen als völlig ungeeignet herausstellten, ist geradezu beängstigend lange. Immerhin zeigt dies, dass nicht einmal berufsmäßige Beobachter des Politikbetriebs über ein zuverlässiges Instrumentarium verfügen, die Qualität von Politikern zu bemessen.