Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

"Hätte er nicht doch noch ein paar Jahre . . . ?", "Er ist doch erst 30", "Warum hat er denn?" - Natürlich kommen einem reflexartig diese Gedanken, wenn sich ein Spieler wie Philipp Lahm in einem selbst im schnelllebigen Fußball noch nicht pensionswürdigen Alter zum Rücktritt aus dem Nationalteam entschließt. Doch ebenso, wie sie nachvollziehbar sind, sind sie auch entbehrlich. Lahm hat sich entschieden, das ist zu akzeptieren, auch wenn er nicht leicht zu ersetzen sein wird. Er wird seine Gründe haben, er folgt - vorerst, Comeback nicht ausgeschlossen - dem Motto "Aufhören, wenn’s am schönsten ist", heimst sich noch einmal Lobeshymnen von ganz Deutschland, angefangen von Angela Merkel, ein und erspart sich damit zumindest das Schicksal seines Kapitäns-Vorgängers Michael Ballack - nämlich, von einem Jüngeren, in dessen Fall war es bekanntlich Lahm selbst, aus dem Amt gedrängt zu werden. Ballack war damals von manchen Medien gar als "Ballast" verunglimpft worden, der "lähmende Lahm" will sein Nachfolger nicht sein.

Und er gibt Joachim Löw genug Zeit, das Team neu zu formieren. Die EM-Qualifikation mit Irland, Polen, Schottland, Georgien und Gibraltar sollte auch ohne ihn kein Problem für die Weltmeistermannschaft werden, bis zum Turnier sollten dann Alternativen für die Außenpositionen, aktuell noch ein bisschen eine Problemzone, wenn man beim Weltmeister von einer solchen sprechen kann, gefunden sein. Und im zentralen Mittelfeld, an dem Lahm dem Vernehmen nach zuletzt immer mehr Gefallen gefunden hat, ist die DFB-Mannschaft ohnehin bestens bestückt.

Die Formel "Jeder ist ersetzbar" mag gänzlich unsentimental sein. Doch sie ist nicht zuletzt ein wesentlicher Baustein für den Erfolg der deutschen Fußballer.