Wenn Teile der Welt in Flammen stehen, muss man sich den wirklich wichtigen Dingen zuwenden. Und darob diskutiert die Uefa derzeit darüber, ob man im Europacup nicht die Auswärtstorregel abschaffen sollte. Gegenüber dem Ukraine-Russland-Konflikt ein wahrlich brennendes Thema, das Fußballfans in ganz Europa bewegt. Im Ernst: Am Montag beginnt für Österreich wie für Russland die EM-Qualifikation, da wäre es für die Funktionäre in Nyon vielleicht nicht so verkehrt gewesen, sich mit dem Krisenherd und möglichen Konsequenzen zu befassen. Immerhin lässt sich längst nicht mehr leugnen, dass die Russen gegenüber der Ukraine als Aggressor aktiv sind und mit der Krim völkerrechtswidrig fremdes Land annektiert haben. Das ist die politische Dimension. Die sportliche sieht so aus, dass nunmehr Klubs von der Krim statutenwidrig an der russischen Meisterschaft teilnehmen. Würde ein weniger potentes Uefa-Mitglied derart vorgehen, würde es umgehend in Europacup und EM-Qualifikation zuschauen müssen. Da sich die Uefa in der Frage duckt, versuchten offenbar ein paar EU-Beamte mit angedachten Sanktionen à la Boykott der Russland-WM 2018 Druck zu erzeugen. Dass Weltmeister-Kanzlerin Angela Merkel dem je zustimmen würde, ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein EM-Titel Österreichs. Doch wer sagt, dass Boykotte "noch nie etwas gebracht haben", der irrt gewaltig. Oder war die jahrelange Ächtung südafrikanischer Sportler oder der Ausschluss Jugoslawiens von der EM 1992 etwa falsch? Es wird vielleicht bald die Zeit kommen, wo die Uefa nicht nur die A-Frage (Auswärtstorregel), sondern auch die B-Frage (Boykott) zu diskutieren hat.