Dass unsere Gefühle stark mit der Wahrnehmung von Gerüchen verbunden sind, ist weitgehend bekannt. Gestank schlägt sich auf die Stimmung, Düfte fördern das Wohlbefinden. Bestimmte Gerüche wecken Erinnerungen an alte Zeiten, an Räume und Personen. Können einander zwei Menschen absolut nicht leiden, sagt man wohl zu Recht, dass sie "sich nicht riechen können". Im wörtlichen Sinn können, wie jüngst der Dresdener Forscher Thomas Hummel bestätigte, etwa fünf Prozent der Menschen gar nicht riechen - oft aus medizinisch erklärbaren Gründen (etwa chronische Nebenhöhlenentzündung oder Schädel-Hirn-Trauma).

US-Forscher um Jayant Pinto von der University of Chicago haben nun eindeutige Belege dafür gefunden, dass der Verlust oder das Nachlassen des Geruchssinns sehr ernst zu nehmen ist. Von jenen Probanden, die verschiedene Gerüche (Pfefferminz, Fisch, Orange, Rose und Leder) kaum oder gar nicht erkennen konnten, starben innerhalb der folgenden fünf Jahre deutlich mehr als von denen, deren Riechorgan gut funktionierte.

"Wir denken, dass der Verlust des Geruchssinns eine Art Kanarienvogel in der Kohlemine ist", wird Pinto zitiert. "Er verursacht den Tod nicht direkt, aber er ist ein Bote, ein Frühwarnsystem, dass bereits etwas schiefgegangen, ein Schaden angerichtet ist."

Diese wissenschaftliche Erkenntnis legt Geruchstests als Frühwarnsystem für schwere Erkrankungen nahe. Denjenigen, die merken, dass sie nicht nur bestimmte Personen, sondern auch sonst wenig riechen können, ist jedenfalls ein Gang zum Arzt dringend zu empfehlen.