Die Universität Salzburg aberkennt Eduard Paul Tratz die Ehrendoktorwürde. Tratz hat zwar das Haus der Natur gegründet, aber mehr gehitlert, als zu Erhaltung von Leib und Leben notwendig gewesen wäre. So engagierte sich Tratz für die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe und darwinistelte über die Überlegenheit der "arischen Rasse". Bei der Zuerkennung der Ehrendoktorwürde 1973 soll das nicht bekannt gewesen sein.

Und jetzt einmal nachdenken: Die Universität Salzburg, an der zweifellos auch 1973 schon Geschichte gelehrt wurde, hat die Vita eines Ehrendoktors in spe, von dem bekannt war, dass er während der NS-Diktatur kein KZ-Häftling war, sondern Direktor des von ihm gegründeten Hauses, nicht überprüft? Wie schlampig ist man da mit der Vergangenheit verfahren?

Die - übrigens posthume (Tratz starb 1977) - Aberkennung der Ehrendoktorwürde hinterlässt jedoch nicht nur dadurch einen schalen Geschmack. Wenn Tratz den Ehrendoktor für seine Leistungen bekommen hat und ihn nun verliert, weil er seine Wissenschaft in den Dienst des Nationalsozialismus gestellt hat, so müsste man konsequent auch Konrad Lorenz posthum alle Ehrungen aberkennen. Außerdem sollte die Universität Salzburg, an der die Geschichtsfakultät nun erwacht ist, einmal Herbert von Karajan unter die Lupe nehmen. Der ist nämlich auch einer ihrer Ehrendoktoren - und hatte seine Kunst so sehr in den Dienst des Nationalsozialismus gestellt, dass er auf der Gottbegnadeten-Liste landete. Das freilich ist in der Festspielstadt Salzburg wie auch sonst in Österreich ein Tabu-Thema.