Schön ist das Licht. Das Licht wärmt. Das Licht spendet Energie für Körper und Seele. Das Licht ist lebensnotwendig. Mittlerweile aber ist es durch die Segnungen der Beleuchtungskörper aller Art so gegenwärtig, dass man vielfach den Ursprung des Lichts vergessen hat. Dieser Ursprung, denn auf gewisse Weise brennen auch Sonne und Sterne, war das Feuer. Irgendwie mag das der Gedanke dahinter gewesen sein, doch das sprachliche Ergebnis halte ich für für kontraproduktiv in hohem Maße.

Worum es geht? - Am 9. November 1938 brannten die Synagogen. Die Nationalsozialisten bezeichneten ihre Untat als "Reichskristallnacht", heute wird sie als das bezeichnet, was sie war: die Pogromnacht.

Die Israelitische Kultusgemeinde Wien gedenkt dieses Novemberpogroms mit der "Nacht der erhellten Synagogen", einer Lichtinstallation über dem Zweiten Wiener Gemeindebezirk. Sie soll die brennenden Synagogen symbolisieren.

So faszinierend ich die Idee finde, so sehr schmerzt mich ihr Name. Der Titel "Nacht der erhellten Synagogen" bezieht sich auf die Installation, ist im Zusammenhang jedoch ein - natürlich ungewollter - Zynismus. Denn 1938 waren die Synagogen "erhellt", weil sie brannten. Das Verbrechen der Nationalsozialisten darf aber gerade in einer Gegenwart, in der es zunehmenden Antisemitismus gibt, in der Juden wieder Angst haben müssen, weil sie Juden sind, nicht euphemistisch auf "erhellte Synagogen" verniedlicht werden. Damit jetzt und in Zukunft niemals wieder auf durch wen auch immer "erhellte Synagogen" "frei machende Arbeit" folgt.