Die Themensetzung der Grünen für den Wahlkampf der Wien-Wahl 2015 nimmt immer konkretere Formen an. Neben Bildung, wo die Partei derzeit auf Plakatwänden für sich wirbt, setzt man nun auch auf das Thema Grünräume. Einem Thema, das eigentlich ein Heimspiel für die Grünen sein sollte. Schließlich entstand die Partei großteils aus Bürgerbewegungen, die sich Anfang der 1980er für den Erhalt von Grünraum (Stichwort: Hainburg) einsetzten.

Bernd Vasari - © WZ
Bernd Vasari - © WZ

Von einem Heimspiel ist man heute allerdings weit entfernt. Die ursprüngliche Leichtigkeit bei dem Thema verflog mit der erstmaligen Regierungsbeteiligung in Wien nach der vergangenen Wahl im Jahr 2010. Immer öfter standen die Grünen nicht mehr auf jener Seite, die ihr Recht auf die Erhaltung von Grünraum einforderten, sondern eben auf der anderen Seite.

Sehr häufig passierte dies in den Außenbezirken fernab der grünen Kernwählerschaft. Beispielhaft dafür ist die Donaustadt, wo die Partei oftmals sogar zur Zielscheibe von Bürgerprotesten wurde. Dabei müsste der Bezirk wie geschaffen sein für die Grünen. Das Naturbewusstsein der Donaustädter ist sehr hoch. Die großzügigen Flächen mit Wäldern, Wiesen und Feldern sind ein wichtiger Teil der Bezirksidentität. Durch die Ausübung des Planungsressorts haben es die Grünen sogar selbst in der Hand, den am stärksten wachsenden Bezirk von Wien zu gestalten. Dennoch schlägt der Partei dort heftiger Gegenwind entgegen. Zu abgehoben sei die Partei, von Dialog und der Erhaltung von Grünraum könne keine Rede sein, so die Vorwürfe. Vor allem der geplante Bau der vierspurigen Stadtstraße in Hirschstetten hat tiefe Gräben zwischen den Grünen und den Anrainern hinterlassen. Die Bürger sprechen von einer Autobahn, die den Verkehr anziehen und ins Wohngebiet bringen wird, die Grünen von einer notwendigen Entlastung für die wachsende Donaustadt. Doch nicht nur, dass die Grünen hier auf der Gegenseite der Anrainer stehen, ist es auch eine fehlende gemeinsame Sprache, die beide Lager trennt.

Die Präsentation einer verkehrsberuhigten Allee für Hirschstetten in der vergangenen Woche scheint unter diesem Licht wie ein Ablenkungsmanöver. Die Stadtstraße könne durch die Allee niemals kompensiert werden, so der Tenor der Anrainer.

Dass sich die Partei für den Wahlkampf wieder einen Grünanstrich verpasst, ist strategisch richtig. Das vorgestellte Grün- und Freiraumkonzept kann ein wichtiger Schritt für eine lebenswertere Stadt sein. Will sich die Partei allerdings ernsthaft von den derzeitigen 12,64 Prozent in Richtung 15-Prozent-Marke bewegen, dann muss sie auch eine gemeinsame Sprache mit den Menschen außerhalb der schicken innerstädtischen Bezirke finden. Solange das nicht passiert, können die Grünen noch so viele Grünräume präsentieren. Der gelernte Donaustädter wird sich dadurch nicht beeindrucken lassen. Denn Grünflächen gibt es dort schon genug.