Das Ärgerliche am Siegestreffer der Brasilianer war dessen Schütze. Da laufen Spieler von Chelsea, Barcelona, PSG und Atlético herum, doch dann muss ausgerechnet Firmino das Tor des Abends erzielen. Aus Hoffenheim, einem Klub mit dem Charisma einer trockenen Semmel.

Dieser Strich von einem Schuss, der Österreichs gar nicht einmal so großes Unglück besiegelt hat, ermöglicht es aber immerhin, den Blick weg von einem möglicherweise sensationellen Resultat und hin zum eigentlich Bemerkenswerten dieses Abends zu lenken. Denn der Gegner war ideal dazu, das in diesem Jahr Erlernte einem aussagekräftigen Praxistest zu unterziehen.

Marcel Koller hatte beim Nationalteam zuerst ein aggressives Pressing implementiert. Mit dieser Strategie brachte man Deutschland und auch die Schweden an den Rand einer Niederlage. Doch vom Rand ist es eben noch ein Stückerl bis zum Erfolg.

Österreich bedurfte also einer zweiten Idee, da intensives Pressing erstens über 90 Minuten zu anstrengend und bei einer Führung mitunter auch kontraproduktiv ist.

Koller studierte also eine etwas passivere Variante ein. Anfangs klappte das nicht sonderlich gut. Die Gefahr ist hier immer, zu passiv zu werden. Der Test gegen Brasilien offenbarte aber einen deutlichen Fortschritt. Die Defensivleistung war richtig gut, und die Spieler haben mittlerweile auch ein Gespür dafür, wann Plan A und wann Plan B anzuwenden ist. Nach anfänglicher Nervosität beeindruckte am Dienstag auch die Souveränität, mit der Österreich agierte. Koller ist es auch gelungen, das Team behutsam zu erweitern (Hinteregger, Okotie, Klein, Ilsanker), es gibt nicht mehr nur eine Elf. Das ist wichtig. Im Aufgabenheft für 2015: Mehr Tore schießen. Da geht noch was.