Der Radsport sauber, gereinigt, von allen Dopingsümpfen befreit? Wer das geglaubt hat, der irrte leider gewaltig. Denn kaum ist der Mega-Skandal um Lance Armstrong halbwegs vergessen, kaum erwägen Sponsoren wie Fernsehstationen eine sanfte Rückkehr, sorgt ein nicht unbedeutender Rennstall für Dauer-Dopingschlagzeilen. Es ist das kasachische Team Astana, das immerhin keinen Geringeren als den aktuellen Tour-de-France-Sieger Vincenzo Nibali unter Vertrag hat. Laut Radsport-Weltverband UCI wurde soeben der Nachwuchsfahrer Victor Okischew aufgrund der Einnahme anaboler Steroide suspendiert; zuvor wurden schon seine Profi-Teamkollegen Maxim und Valentin Iglinskiy (beide Epo) sowie Ilja Dawidenok (Steroide) aus dem Verkehr gezogen. Vier Dopingsfälle in so kurzer Zeit - das kann kein Zufall sein, folgerte auch die UCI, die vielmehr systematisches Team-Doping wie einst zur Hochblüte der radelnden Spritzensportler vermutet. Daher könnte es nun ein hartes Durchgreifen in Form einer Lizenzverweigerung für Astana geben. Der, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, ist übrigens auch kein Unbekannter: Astanas Team-Manager Alexander Winokurow war selber wegen Blutdopings 2006 zwei Jahre lang gesperrt worden. Der nennt das Ganze übrigens eine "Dummheit einzelner Fahrer", womit er beweist, auf welcher Seite er steht. Dumm sind eben nur die, die sich erwischen lassen. In Österreich wäre kraft des neuen Doping-Gesetzes ein Team-Chef Winokurow nicht mehr möglich: Ab 1.Jänner dürfen Sportler mit einschlägig vorbestraften Betreuern nämlich nicht mehr zusammenarbeiten.