Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Jetzt auch noch Johan Cruyff. Als hätte die Wahl des Fußballers des Jahres Anfang des Monats nicht schon im Vorfeld für genug Wirbel gesorgt, gießt nun auch die holländische Fußball- und mittlerweile Kommentatoren-Legende Öl ins mediale Feuer. Cruyff findet nämlich, dass Cristiano Ronaldo den Preis nicht verdient habe. Es sei "lächerlich", dass jetzt schon zum zweiten Mal hintereinander ein Spieler gewonnen habe, der "in keiner herausragenden Art und Weise gespielt und nur ein paar Titel gewonnen hat", schreibt er in einem Kommentar für die Zeitung "De Telegraaf".

Nun ja, das trifft auf die WM zu, aber eher nicht auf die Champions League. Die Meinung, dass Ronaldo nicht besonders spiele, hat der Mann jedenfalls ziemlich exklusiv. Und er irrt: Natürlich hat Ronaldo den Preis verdient. Genauso, wie ihn Manuel Neuer verdient hätte. Man hätte sogar eine Wahl Lionel Messis argumentieren können, wenn auch 2014 mit leichten Abstrichen. Und das gilt auch bei vielen, vielen anderen, die nicht so spektakulär auftreten, damit aber ihrem jeweiligen Team erst recht die wichtigsten Impulse geben. Das Überhandnehmen von Preisen, Wahlen, Rekordreitereien, die ständige Frage nach dem Besten - siehe auch der Glaubensstreit zwischen Lindsey-Vonn-Anhängern und Annemarie-Moser-Pröll-Nostalgikern - und die reflexartig auftauchende Neiddebatte erinnern fast schon an Längenvergleiche pubertierender Jugendlicher - und sind bestenfalls für Marktwert und Statistik interessant. Wenngleich die Cruyff’sche Argumentationslinie Stringenz vermissen lässt, hat er doch auch recht. Es sei klar, schreibt er, "dass das ein Preis ist, den ich nicht ernst nehmen kann." Sollte man auch nicht. Die wahren Fans wollen immer noch Sport sehen und genießen - und keine öden Galas, nach denen Auszeichnungen zu Strafen werden.