"Das haben wir uns anders vorgestellt", raunzte Stefan Kraft in die Mikrofone - und brachte damit eines der derzeit akutesten Probleme im österreichischen Skispringen auf den Punkt: Denn mit den Vorstellungen der Athleten, der Trainer und der Öffentlichkeit können die Leistungen aktuell nicht Schritt halten. Das ist kein Beinbruch, ebenso wenig wie der vierte Platz im Mixed-Teamspringen eine nationale Katastrophe war, sondern hat mannigfaltige Gründe: In Thomas Morgenstern ist die ÖSV-Truppe eines früheren Siegspringers verlustig gegangen, die Ex-Tourneesieger Thomas Diethart und Andreas Kofler kamen in dieser Saison überhaupt nicht in Form, Gregor Schlierenzauer hat seit Beginn des Winters mit kleinen, aber oftmals entscheidenden Abstimmungsproblemen gekämpft, Michael Hayböck mit der Schanze in Falun. Dass Stefan Kraft Bronze von der Normalschanze gewonnen hat, ist hoch einzuschätzen, zeigt es doch, dass er nach der triumphalen Vierschanzentournee nicht in das berühmte Loch gefallen ist und sich auch auf kleinere Schanzen einstellen kann. Natürlich ist nicht alles Gold, was bronzen glänzt und blechern scheppert. Doch jetzt gleich alles in Frage zu stellen - etwa die Entscheidung Heinz Kuttins, Hayböck im Team den Vorzug gegenüber dem (im Einzel um einen Platz schlechter placierten) Schlierenzauer zu geben -, wäre kontraproduktiv. Dennoch ist die Situation auch für Kuttin nicht ungefährlich: Sollte auch auf der Großschanze nicht mehr rausschauen - und auch der Gesamtweltcup nicht an einen Österreicher gehen - , wird unweigerlich die Frage nach dem Verzicht auf das Skifliegen in Vikersund zugunsten der WM-Vorbereitung auftauchen.

Tamara Arthofer

Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.