Den Wiener Bürgermeister beschlich kürzlich wieder einmal eine schlimme Ahnung. Und diese hatte nichts mit den aktuellen Umfragewerten seiner SPÖ zu tun. Es ging darum, ob das, was Politiker den lieben langen Tag so fordern, kritisieren, einmahnen oder einfach nur behaupten, von "den Menschen draußen" überhaupt verstanden wird.

Michael Häupl war, zumindest was das angeht, erstaunlich skeptisch und drückte es beim informellen Wahlkampfauftakt der SPÖ Wien in der ihm eigenen Art aus: Den Begriff "Smart-Wohnungen" würde ja "keine Sau verstehen", eröffnete der Bürgermeister seinen Genossen, weshalb nun wieder der gute alte "Gemeindebau" aus der Versenkung hervorgeholt wurde, in der ihn die SPÖ selbst vor Jahren entsorgte. Wahrscheinlich klang "Gemeindebau" zu altbacken für eine Partei, die doch so furchtbar gerne hipp, modern und angesagt sein möchte.

Mit normaler Sprache geht das natürlich nicht. Also zierte zum jüngsten Frauentag ein Plakat mit den SPÖ-Stadträtinnen und dem Slogan "‚Good Weibs‘ für Wien" die Wartehäuschen, dessen Bildsprache noch dazu vor pophistorischen Querverweisen nur so überging.

Ob die Botschaft samt Subtexten von mehr als einem einstelligen Prozentanteil der Bevölkerung verstanden wurde, darf bezweifelt werden.

Wenn Politiker reden, wimmelt es nur so von unverständlichen Wortfetzen. Seit dem unheilvollen Erfolg des Marketings über die Politik haben Wortbeigaben wie "Smart", "2.0", "digital", "citizens", "gender" "MINT", "Sixpack" oder "Start-up" Hochkonjunktur quer durch alle weltanschaulichen Lager. PR-Sätze wie "SMART CITIZENS LAB - Marktplatz der Ideen zur Stadt von morgen" (es geht um die Seestadt Aspern in Wien) taugen allenfalls als Code für Eingeweihte. Den Bezug zur Lebensrealität der Bürger hat diese Sprache längst verloren.

Dabei geht es nicht um eine reaktionäre Verbannung neuer Begriffe, sondern um eine politische Sprache, die sich am Alltag orientiert. Für Experten mag es unerlässlich sein, wenn sie - unter sich - eine spezifische Fachsprache verwenden, die Verständlichkeit gegen Eindeutigkeit eintauscht. Politiker hingegen verlieren nur, wenn sie nicht verstanden werden.

Wie es nicht sein sollte, dafür bieten die Homepages der Parteien Anschauungsmaterial: "Die ÖVP will jünger und weiblicher werden - aus Eigenverantwortung und Selbstverpflichtung. Das ist ein erster Sukkus aus Evolution Volkspartei, die von manchen schon als Mutation der ÖVP bezeichnet wird", schwurbelt da etwa Gernot Blümel, der Parteimanager. Der erste Satzteil geht ja noch, dann wird es rätselhaft. Und Steuerreformen sind überhaupt Gift für die Verständlichkeit.

Warum sprechen Politiker so?

In der Regel ist es einfach die Unfähigkeit, sinnentleerten Werbetexten einen Riegel vorzuschieben. Aber es gibt auch eine ernsthafte Erklärung, die der Soziologe Heinz Bude in der "Süddeutschen Zeitung" äußerte: Auf Deutschland bezogen meinte er, dass es mehr Verbitterung in der Gesellschaft gebe, als die Eliten dächten. Und um sich nicht permanent Anfeindungen auszusetzen, würden es Politiker (und Journalisten) vorziehen, sich nur noch in ihren eigenen Szenen zu äußern, wo ihnen Zustimmung gewiss sei. Ein fataler Trugschluss.