Irina Vlah schürt die Angst Europas vor einem Übergreifen der Ukrainekrise auf Moldawien. Die Juristin hat letzte Woche die Gouverneurswahlen in der autonomen Region Gagausien gewonnen. Ihr Versprechen: eine Zukunft gemeinsam mit Russland. Unterstützung erhielt sie dafür aus Moskau und von den prorussischen moldawischen Sozialisten. Während die moldawische Regierung in Richtung EU und Nato blickt und grundsätzlich darüber debattiert wird, ob man nicht gleich den Anschluss an Rumänien suchen sollte, geht Gagausien in die völlig entgegengesetzte Richtung. In einer aktuellen Umfrage haben sich lediglich 2 Prozent der Gagausen - ein christlich-orthodoxes Turkvolk - für das Assoziierungsabkommen mit der EU ausgesprochen. In einem Anfang 2014 abgehaltenen Referendum haben dafür 98 Prozent eine stärkere Anbindung an Russland gefordert. Diesem Wunsch will Vlah offensichtlich nachkommen. Wie sehr es die 41-Jährige in Richtung Russland zieht, zeigt ihre politische Entwicklung. Seit 2005 Mitglied des moldawischen Parlaments, kandidierte sie stets auf der Liste der Kommunistischen Partei, die die Nato ablehnt und für gute Beziehungen zu Moskau steht. Doch die Partei war für Vlah irgendwann nicht russlandnah genug, weshalb sie sie 2014 verließ. Während des Wahlkampfs beschloss die nun formal Unabhängige offenbar, zum Schmied statt zum Schmiedl zu gehen. Sie wurde in Moskau von der Vorsitzenden des russischen Föderationsrats empfangen und russische Abgeordnete statteten Gagausien mehrfach einen Besuch ab und schalteten sich in den Wahlkampf ein - sehr zum Missfallen der Regierung in Chisinau. Der russischen Zeitung "Nezawissimaja Gazeta" zufolge wurde ein russisches Fernsehteam, das über das Ereignis berichten wollte, bei der Landung in Moldawien abgefangen und postwendend retourgeschickt. Russische TV-Kanäle beherrschen den moldawischen Medienmarkt, wo sie eine Informations-, um nicht zu sagen Propagandaoffensive betreiben. Daneben gewährt Russland besondere Vergünstigungen: Wein und Agrarprodukte aus Gagausien sind beispielsweise vom russischen Embargo gegen moldawische Produkte ausgenommen. In Gagausien leben 160.000 der gut drei Millionen Moldawier. Die Region hat ebenso wie das abtrünnige Transnistrien, über das Moskau seine schützende Hand hält, einen Autonomiestatus. Die Einmischung Russlands bereitet der Nato schon seit längerem Sorge: Moskau versuche, die Annäherung an den Westen zu hintertreiben. Eine Furcht, die die moldawische Regierung teilt. Sie glaubt, dass Russland durch Anfeuerung von Unabhängigkeitsforderungen Gagausiens eine zweite abtrünnige Region schaffen und damit den Weg Moldawiens in Richtung EU und Nato blockieren will. Mit der Wahl Vlahs wird diese Furcht weiter steigen.