Alle reden von der notwendigen Bildungsreform. Und gleichzeitig werden ständig die Lehrer geprügelt. Jüngst wurde in den meisten Medien genüsslich und vorwurfsvoll darüber berichtet, dass 95 Prozent von ihnen in Frühpension gehen und dabei die "eigentlich für Schwerarbeiter geschaffene" Hacklerregelung ausnutzen. Dass sie zu wenig Arbeitszeit im Unterricht verbringen und lange Ferien haben, wird ihnen ja auch immer wieder angekreidet.

Wer diesen Beruf nicht als Schwerarbeit ansieht, möge doch selbst täglich stundenlang rund 25 Kinder und Jugendliche im Zaum halten und ihnen dabei mehr oder weniger komplizierten Lehrstoff beibringen. Wer kritisiert, dass viele Lehrer in Frühpension gehen, möge bedenken, dass im Pflichtschulbereich die große Mehrheit von ihnen weiblich ist, aber - da im öffentlichen Dienst - erst mit 65 Jahren regulär in Pension gehen kann, fünf Jahre später als - jetzt noch - andere Frauen. Vielen Lehrern wurde der Pensionsantritt auch vom Dienstgeber nahegelegt, der sich die hohen Aktivkosten älterer Lehrkräfte sparen wollte.

Es gehört zu den primitivsten Einsichten, dass Kinder in der Schule nichts weiterbringen, wenn man sie ständig heruntermacht. Ebenso klar müsste den meisten halbwegs intelligenten Menschen sein, dass man jene, die den Kindern und Jugendlichen etwas beibringen sollen, auch nicht dauernd heruntermachen und frustrieren darf -
die Lehrer. Demotivierte Schüler werden wenig lernen, und ohne motivierte Lehrer gelingt sicher keine Bildungsreform. Darum ist die Forderung der Stunde: Schluss mit dem Lehrer-Bashing!