Sie waren wie Vater und Sohn, dann Gegner bis hin zu Feinden, nun gehen sie wohl Hand in Hand unter: Mit der vorerst 90-tägigen Suspendierung von Fifa-Präsident Joseph Blatter und dessen Nachfolgekandidat, Uefa-Chef Michel Platini, geht nicht nur die Ära Blatters einem unrühmlichen Ende entgegen, sondern wohl auch Platini mit seinen Ambitionen baden. Und wiewohl die juristischen Verdachtsmomente gegen ihn nicht annähernd so groß sind wie jene, die Blatter während seiner fast 40-jährigen Funktionärstätigkeit bisher ungestraft angehäuft hat, trifft der Bann den Franzosen weitaus härter. Er hat nun kaum noch die Möglichkeit, die Kriterien für seine Kandidatur fristgerecht zu erfüllen - womit er, aber auch Fußball-Europa ein Problem haben. Nicht von ungefähr hat Franz Beckenbauer einen Tag vor der Entscheidung den Südafrikaner Tokyo Sexwale aus dem sprichwörtlichen Hut gezaubert. Bis zur Wahl des neuen Chefs aber ist auch die Fifa nicht handlungsfähig. Issa Hayatou, der die Agenden Blatters interimistisch übernehmen soll, ist erstens nicht gerade bestens beleumundet und zweitens gesundheitlich angeschlagen. Und solange unklar ist, wie es mit der Fifa weitergeht, werden ihr wohl auch die Sponsoren nicht gerade die Tür einrennen. Und Blatter? Freilich sind die Entwicklungen auch für ihn unschön, aber eigentlich vorerst irrelevant. Am Mittwoch hatte er noch kämpferisch verkündet, das Gute werde siegen. In Wahrheit gibt es nun aber so oder so nur Verlierer. Und Blatter ist nicht einmal der größte von ihnen. Nicht die erste ironische Fußnote der Fifa-Annalen.

Tamara Arthofer

Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.