Hand aufs Herz - hätten Sie es gesehen? Nämlich ob der Ball beim Führungstreffer des FC Chelsea gegen Porto am Mittwochabend in der Champions League tatsächlich hinter der Linie war oder nicht? In der Tat war die Situation so verzwickt und die Aktion in so hohem Tempo, dass der Pfiff des Schiedsrichters für viele eher überraschend kam. Wahrscheinlich dachte die Mehrheit daran, dass Porto-Verteidiger Maicon das von seinem Teamkollegen Iván Marcano abgeprallte und Richtung Netz hoppelnde Leder noch rechtzeitig von der Linie kratzte. Auch die Spieler schienen das mangels der sonst üblichen Proteste zur Kenntnis zu nehmen. Doch die Zeitlupe bestätigte schließlich das Urteil des Torrichters, der damit ausdrücklich Lob verdient - nachdem dessen Zunft schon (zu Recht) viel Schelte einstecken musste. Auch Chelsea-Starcoach José Mourinho bedankte sich in der Pause extra beim türkischen Schiedsrichtergespann für dessen gutes Auge -auch das kommt nicht alle Tage vor.

Auch eher selten ist, dass ein - im Sport ohnedies seltener - Videobeweis zu einem falschen Urteil führt. Geschehen jüngst bei der Handball-Frauen-WM im Spiel zwischen Frankreich und Korea (22:22), bei dem ein koreanisches Tor nach Studium der Videobilder durch die Offiziellen nicht anerkannt worden war. Zu Unrecht, wie sich später herausstellte - was nun zur Konsequenz hat, dass der Videobeweis im Handball vorerst ausgesetzt wird. Was lernen wir daraus? Trotz des besten Videomaterials ist das menschliche Auge immer noch der Schwachpunkt bei solchen Entscheidungen - das gilt grundsätzlich auch für die Fußball-Torrichter. Wer annähernd absolute Sicherheit haben will, muss auf das elektronische Auge, sprich die Torlinientechnik, setzen. Im Fußball gibt es sie übrigens bei der WM und in vielen Top-Ligen, nicht aber in der Uefa-Champions-League. Noch nicht.