Als in den 1980er Jahren Frauenfußball auf der Welt, zumal in Afrika, praktisch inexistent war, kickte Perpetua Nkwocha bereits als einziges Mädchen mit Buben auf den Straßen von Lagos. Der Sport galt seinerzeit in vielen Ländern für Frauen als moralisch verwerflich und war verboten. Auch in Österreich anerkannte der Fußball-Bund eine Frauenliga erst 1982 offiziell. Doch die soziale Ächtung des Sports war Nkowcha egal. Genauso egal wie die harten Tacklings ihrer männlichen Gegner. Wahrscheinlich waren es diese harten Anfänge, die aus ihr eine der besten Spielerinnen der Welt machten. Als sich Frauenfußball langsam aber sicher zu etablieren begann, war Nkwocha ganz vorne mit dabei. Sie war die erste afrikanische Fußballerin, die einen Profivertrag erhielt. Mit der nigerianischen Nationalmannschaft gewann sie sechs Mal die Fußball-Afrikameisterschaft der Frauen (2000, 2002, 2004, 2006, 2010 und 2014). Vier Mal wurde sie zu Afrikas Fußballerin des Jahres gewählt (2004, 2005, 2010 und 2011) und erzielte in 99 Spielen für ihre Nationalmannschaft beeindruckende 80 Tore. Heute zählt sie für viele Nigerianer nicht nur als Vorreiterin in Sachen Gleichberechtigung, sondern auch als eine der größten Botschafterinnen ihres Landes. Dabei hat sie vor ein paar Jahren die Staatsbürgerschaft Schwedens angenommen, wo sie die meiste Zeit ihrer Karriere gespielt hat. Ihr Stammverein war der Sunnanå SK in Nordschweden. Allerdings zog es sie fußballerisch auch schon einmal ins ferne Peking. Am 3. Jänner 40 Jahre alt geworden, ist sie derzeit als Spielertrainerin beim schwedischen Viertligisten Clemensnäs IF unter Vertrag. Hier setzt Pepe, wie sie auch gerne genannt wird, nicht nur ihre fußballerischen, sondern auch ihre menschlichen Qualitäten ein. Denn sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, jungen afghanischen Flüchtlingen bei der Integration in Schweden zu helfen. Immerhin weiß sie aus eigener Erfahrung, wie es ist, sich in einem anderen Land eine neue Existenz aufzubauen. "Ich spüre, dass die Situation ähnlich ist - darum muss ich versuchen, sie glücklich zu machen", sagte sie dem britischen Sender BBC. Ihr Fußballverein rief im November in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Fußballverband und der schwedischen Kirche das Projekt ins Leben, bei dem Nkwocha eine Gruppe afghanischer Jugendlicher trainiert. Im Prinzip gehe es darum, den Flüchtlinge die Möglichkeit zu geben, sich unter Tags zu beschäftigen, erklärte Jens Karlsson, Geschäftsführer des Clemensnäs IF der BBC. Doch dass sie als Frau das Training leitet, ist sicher auch ein gutes Zeichen für Menschen, die aus einem Land kommen, in dem die Burka nach wie vor das Bild des öffentlichen Lebens prägt. Bei den Buben kommt Nkwocha jedenfalls gut an: "Sie ist eine gute Trainerin, wir sind alle glücklich", sagte Habibullah, einer ihrer Schützlinge.