Das Volkstheater ließ kürzlich mit einer Meldung aufhorchen: "Homohalal" von Ibrahim Amir werde nicht uraufgeführt, stattdessen Neil Simons "Brooklyn Memoiren" gezeigt. Spielplanänderungen an großen Häusern sind an sich nicht unüblich, es steht jeder Bühne frei, Änderungen vorzunehmen. Doch etwas verstört im vorliegenden Fall. "Brooklyn Memoiren" ist ein Bühnenhit aus den 1980er Jahren, ein unverfängliches Familiendrama. "Homohalal" dagegen setzt sich mit dem Thema Migration auseinander. "Homohalal"-Autor Amir weiß, wovon er spricht: Der 31-Jährige ist syrischer Kurde, lebt seit 14 Jahren in Wien und schließt demnächst seine medizinische Ausbildung ab. Ausgehend vom Refugee Protest Camp bei der Votivkirche im Jahr 2013, wirft der Dramatiker einen Blick in die Zukunft: 2033 begegnen einander ehemalige österreichische und migrantische Aktivisten erneut - und ziehen Bilanz. Amir findet dabei offenbar kritische Antworten. In einer Aussendung hält die Bühne fest: "Der öffentliche Diskurs über Geflüchtete ist zur Zeit stark von Angst und Hass geprägt. In dieser Situation ist eine Dystopie - so vielschichtig und komisch sie im Fall von Homohalal sein mag - kein geeignetes Mittel zur Auseinandersetzung." Ohne das Stück zu kennen, ist es mehr als bedauerlich, dass das Thema Migration in Migrantensicht offenbar nicht den Weg auf eine von Wiens großen Bühnen findet. Darf eine Institution wie das Volkstheater hier einfach stumm bleiben? Überlässt man auf diese Weise die Debatte nicht den rechten und reaktionären Kräften? Ist Rückzug ein geeignetes Mittel? Wohl nicht.