Alexander U. Mathé
Alexander U. Mathé

Seth Moulton kennt sich mit Waffen aus. Immerhin war der US-Abgeordnete ein Hauptmann beim Militär. Umso mehr sorgt es für Aufsehen, wenn er seine Stimme für strengere Waffengesetze erhebt. Moulton ist ein Kriegsheld - sofern Kriege überhaupt etwas Heldenhaftes an sich haben können. Nach seinem Physikstudium an der Eliteuniversität Harvard trat er in die US-Eliteeinheit der Marines ein. Vier Jahre diente er im Irak, wo er für seinen Einsatz nicht nur mit der Tapferkeitsmedaille, sondern auch mit der Bronze Star Medal für herausragende Leistungen im Kampfeinsatz ausgezeichnet wurde. Seine Einheit war eine der ersten, die im Irak-Krieg nach Bagdad durchbrach. Doch Waffen wie jene, die ihm und seinen Kameraden im Einsatz das Leben gerettet haben, gehören nicht in die Hände von Zivilisten, ist der 38-Jährige überzeugt. Halbautomatische Sturmgewehre etwa haben auf dem privaten Waffenmarkt genauso wenig verloren wie Landminen oder Raketen. Diese Ansicht unterstrich er vor kurzem auf eine sehr ungewöhnliche Art: Als der Kongress eine Schweigeminute für die Opfer des Massakers von Orlando mit 49 Toten beging, verließ er kurzerhand den Saal. Manch einer empörte sich ob des vermeintlich mangelnden Respekts gegenüber den Toten. Doch Moulton konterte. An Respekt lasse man es dadurch fehlen, dass man sich weigere, auch nur eine Diskussion über eine adäquate Reform der Waffengesetze zu führen. Diese seien nämlich letztlich für die zahlreichen Amokläufe und Massenermordungen in den UASA verantwortlich. "Ein Verbot von Sturmwaffen hätte (den Attentäter, Anm.) Omar Mateen davon abgehalten dieses Gewehr in Florida zu kaufen."

Seit dem Amoklauf an der Newtown-
Schule im Dezember 2012 mit 28 Toten seien 109 neue Waffengesetze erlassen worden. 70 davon lockerten sogar die bestehenden Vorschriften, anstatt sie zu verschärfen. Eigentlich ist das Thema Waffenrestriktion nicht unbedingt ein Quotenbringer in einem Land, in dem die National Rifle Association (NRA, "Nationale Gewehr-Vereinigung") zu den einflussreichsten Lobbyisten gehört. Doch auch hier beginnt die Front schon ein wenig zu bröckeln. "Es ist an der Zeit, generell Zuverlässigkeitsüberprüfungen einzuführen und basta. 96 Prozent der Amerikaner und sogar die überwiegende Mehrheit der NRA-Mitglieder sind dafür, und trotzdem schafft es der Kongress nicht, das durchzusetzen", erklärte Moulton. Es sei absurd jemanden auf eine Flugverbotsliste zu setzen, ihm aber gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, sich mit Waffen einzudecken. - Abwarten, was sein Einsatz bringt. Denn der Mann, der an Havard inzwischen auch Studien der Betriebswirtschaft und öffentlicher Verwaltung abgeschlossen hat, gilt als einer der vielversprechendsten Politiker der Demokraten.