Richter des internationalen Sportgerichtshofs CAS will man jetzt nicht unbedingt sein. Gut, sonst vielleicht auch nicht, schließlich steht die oberste Instanz der Sportgerichtsbarkeit seit Jahren in der Kritik. Nun aber müssen die Juristen binnen weniger Tage prüfen, welche der rund 270 russischen Sportler, denen ihre Fachverbände den Weg zu Olympia geebnet haben, tatsächlich unter den fünf Ringen antreten dürfen. Dazu müssen die Einsprüche abgewiesener Athleten wie etwa des russischen Schwimmstars Julia Jefimowa bearbeitet werden, die gegen die an und für sich vom CAS abgelehnte Zweifachbestrafung - auch nach Absitzen einer Dopingsperre aus Bewerben verbannt zu werden - protestiert. Und als wäre das nicht genug, könnte die Arbeit in letzter Sekunde noch vom IOC zunichte gemacht werden. Denn das letzte Wort wird ein Dreiergremium des IOC haben, wie dieses am Wochenende beschloss. "Wir wollen ganz klar zeigen, dass wir es sind, die die letzte Entscheidung treffen", sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, nachdem man davor die Verantwortung eher unelegant auf die Fachverbände sowie den Sportgerichtshof abgewälzt hatte. Zumindest letzteres konnte man ja noch irgendwie argumentieren, schließlich wird immer wieder dessen Unabhängigkeit betont. Doch auch damit ist es nicht weit her. Auch wenn der CAS sich im Jahr 1994 organisatorisch vom IOC gelöst hat, sind die alten Verbindungen evident. Die Richter werden von den Verbänden und den olympischen Gremien vorgeschlagen, CAS-Präsident John Coates ist zugleich Vizepräsident des IOC. Seit Jahren werden weitere Reformen eingemahnt, seit Jahren herrscht Stillstand. Rio könnte den Anstoß für Veränderungen geben. Dann hätte das aktuelle Schlamassel wenigstens etwas Positives gebracht.

Tamara Arthofer

Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.