"Tschad - Oase der Sahelzone". Das klingt irgendwie zynisch, herrschen doch in dem Wüstenstaat im Zentrum Afrikas bittere Armut, Malaria und diktatorische Zustände. Nun scheint es unter Machthabern in Mode zu sein, das eigene von Krieg und Not zerrissene Land in einem Anfall heftigster Realitätsverweigerung fröhlich als Urlaubsdestination anzupreisen (siehe die jüngste "Beautiful Syria"-Kampagne von Bashar al-Assad). Dass man für die Bewerbung auch auf Trikots europäischer Fußballer zurückgreift, ist da doch wieder neu.

Jedenfalls hat die Meldung, dass der Tschad, um mehr Touristen anzulocken, beim französischen Erstligisten FC Metz als Sponsor - die Rede ist von zwölf Millionen Euro - einsteigt, für gehöriges Rauschen im Blätterwald gesorgt. "Ist das nicht rausgeschmissenes Geld?", fragte etwa zu Recht die Zeitung "Le Progrès". Von einem "schlechten Witz" sprach auch der Vorsitzende des tschadischen Leichtathletikverbandes, Hissene Ngaro. Dass sich weder sein Chef, Sportminister Betel Miarom, noch der Verein zu der Causa äußern wollen, macht die Beantwortung der Frage, ob die Werbung fürs Plantschen in tschadischen Oasen in Sichtweite von Boko Haram und Co. die Reisegewohnheiten französischer Fußballfans ändern wird, nicht gerade einfacher.

Einer, der es wissen müsste, ist da vielleicht Rigobert Song. Erst im Vorjahr hat der mehrfache Internationale aus Kamerun als Teamchef bei der tschadischen Nationalelf angeheuert. Dass er, der die zwölf Millionen ebenso brauchen könnte, gar nichts zum Metz-Deal sagt, macht stutzig. Ob das etwas damit zu tun hat, dass Song einst beim FC Metz seine Profi-Karriere begonnen hat?