In der Endauswahl für den ersten Österreichischen Buchpreis sind Michael Köhlmeier und ...

Halt!

Lesefehler. Köhlmeier ist nicht in der Endauswahl. Das kommt vom freudschen Querlesen: Man liest, wovon man annimmt, es müsse dastehen. Ein erster Österreichischer Buchpreis ohne Köhlmeier? Es liegt auf der Zunge, Ferdinand I. zu zitieren: "Ja, derfen die denn dös?" Damals ging es um eine Revolution, und auch diese auf gut Neudeutsch, also Englisch, sogenannte Shortlist ist etwas wie eine Revolution. In der engen Wahl sind nämlich Sabine Gruber ("Daldossi oder Das Leben des Augenblicks"), Peter Henisch ("Suchbild mit Katze"), Friederike Mayröcker ("fleurs"), Anna Mitgutsch ("Die Annäherung") und Peter Waterhouse in Zusammenarbeit mit Nanne Meyer ("Die Auswandernden"). Damit ist keine einzige und kein einziger der üblichen Preisverdächtigen, niemand aus der Kaste der heimischen Serienproduzenten von Literaturbestsellern, in die engere Wahl gekommen. Alle, die in der Endauswahl sind, schreiben auf hohem Niveau eine Literatur, die zwar nicht experimentell, doch für den Leser eine Herausforderung ist. Es sind Bücher, die dazu auffordern, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sei es auf inhaltlicher oder stilistischer Ebene. Keines davon kann man an einem verregneten Wochenende zwischen Küche, Couch und TV-Krimi weglesen.

Noch erstaunlicher ist: Keinem der Nominierten kann man nachsagen, er stünde eher für seine politische Haltung als für seine Literatur auf der Shortlist. Sollte es bei diesem Literaturpreis am Ende gar um Literatur gehen?