Österreichs Fußball-Nationalmannschaft hat in der jüngeren Vergangenheit schon tristere Länderspiele abgeliefert als am Dienstagabend gegen die Slowakei. Man erinnere sich (oder lieber nicht) an grottenschlechte Heim-Nullnummern gegen Nordirland (1990) oder Japan (2007). Das momentane Problem ist vor allem, dass zwischen Erwartungshaltung und gebotener Leistung eine immer größer werdende Lücke klafft, an der Teamchef Marcel Koller mitverantwortlich ist. Denn warum kündigt er tags vor dem Jahresabschluss an, Wiedergutmachung anzustreben und sicher nicht "locker-flockig alles auf den Kopf zu stellen", um dann nur drei Spieler aus der Irland-Startformation und also eine "zusammengewürfelte Mannschaft" (Zitat Debütant Michael Madl) aufzubieten? Dass dann nichts zusammenlaufen konnte, war vorhersehbar, zumal später auch viele Akteure auf Positionen eingesetzt wurden, wo sie normalerweise gar nicht spielen. Das mag den 14.200 Fans im kalten Happel-Oval sowie den

immerhin gut 500.000 TV-Zusehern wie eine Provokation vorgekommen sein, schließlich hätte man den Test auch dazu nützen können, um a) mit dem eingespielten System endlich wieder ein Erfolgserlebnis zu sammeln oder b) es so zu verfeinern, damit wieder Überraschungsmomente generiert werden. So bleiben nach dem vergeudeten Test wieder nur zwei bis drei Trainingseinheiten, um sich vor dem WM-Qualifikations-Kaltstart am 24. März gegen Moldawien zu verbessern. Koller indes muss aufpassen, dass er seinen hart erarbeiteten Bonus nicht mit eigenwilligen Entscheidungen verspielt - vor allem, wenn sie Misserfolg bringen.